15. Oktober 2026 · Tokio
Japans Premierministerin Sanae Takaichi hat die russischen Spionagevorwürfe gegen einen japanischen Journalisten zurückgewiesen. Solche Tatsachen gebe es nicht, sagte sie am 15. Oktober vor Journalisten in Tokio. Vorrang habe jetzt der Schutz des japanischen Staatsbürgers; was Russland ihm konkret vorwerfe, sei noch nicht bekannt.
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hatte am 13. Oktober mitgeteilt, einen Korrespondenten der Regionalzeitung Hokkaido Shimbun in der Region Sachalin festgenommen zu haben – in einem Hotel, kurz bevor der Mann Russland verlassen wollte. Er soll im Auftrag eines japanischen Nachrichtendienstes Informationen über Russlands Verteidigungsfähigkeit gesammelt haben, nach russischer Darstellung etwa darüber, wie viele Bewohner der Kurilen für den Krieg gegen die Ukraine mobilisiert wurden oder sich freiwillig meldeten. Ein Moskauer Bezirksgericht ordnete noch am selben Tag Untersuchungshaft für knapp zwei Monate an. Ermittelt wird nach dem Spionageparagrafen 276 des russischen Strafgesetzbuchs, der bis zu 20 Jahre Haft vorsieht. Unabhängig belegt sind die Vorwürfe nicht.
Das russische Außenministerium nannte den Journalisten Yuki Imai; der 34-Jährige arbeitete für das Büro der Zeitung in Juschno-Sachalinsk. Die Hokkaido Shimbun bestätigte die Identität zunächst nicht. Sie prüfe die Angaben und stelle die Sicherheit ihres Mitarbeiters an erste Stelle, teilte sie mit. Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa warf Tokio vor, akkreditierte Korrespondenten zur Informationsbeschaffung einzusetzen.
Japan bestellte den russischen Botschafter Nikolai Nosdrjow ein, protestierte gegen die Festnahme und verlangte eine faire Behandlung. Kimitake Nakamura, Leiter der Europaabteilung im Außenministerium, forderte zudem ein baldiges Treffen mit dem Festgenommenen. Regierungssprecher Minoru Kihara sagte am 14. Oktober, Tokio habe bislang keinen Kontakt zu dem Mann und von der Festnahme erst durch die russische Mitteilung erfahren.
Das Verhältnis beider Länder ist seit Japans Sanktionen wegen des Ukrainekriegs angespannt. Im August hatte Präsident Wladimir Putin erstmals die Insel Iturup besucht, die zu den von Japan beanspruchten Südkurilen gehört. Takaichi nannte den Besuch „absolut inakzeptabel“. Russland hat in den vergangenen Jahren wiederholt ausländische Journalisten festgenommen: Der US-Reporter Evan Gershkovich wurde 2023 wegen Spionage verhaftet, zu 16 Jahren Haft verurteilt und 2024 bei einem Gefangenenaustausch freigelassen.
Quellen
- AFPBB News: Takaichi weist Spionage in Russland zurück – nach Festnahme eines japanischen Journalisten
- NHK: Russland: Reporter der Hokkaido Shimbun wegen Spionageverdachts festgenommen
- Reuters (via Internazionale): Russia detains Japanese journalist on suspicion of spying
- AP (via Philadelphia Inquirer): Russia detains Japanese journalist on Sakhalin on suspicion of spying
- Meduza: Who is Yuki Imai, the Japanese journalist Russia has arrested on espionage charges


