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Schulalltag: Was Japans Schüler anders machen als deutsche

17. Oktober 2026 · Tokio

Dieser Artikel ist Teil unseres Dossiers Japan und Deutschland.

In Japan putzen Schüler ihr Klassenzimmer selbst, teilen das Mittagessen aus und bleiben praktisch nie sitzen. In Deutschland kommt dafür eine Putzkraft, viele Kinder essen zu Hause, und fast jeder fünfte Fünfzehnjährige hat schon einmal eine Klasse wiederholt. Hinter diesen Unterschieden stecken zwei verschiedene Vorstellungen davon, was Schule leisten soll.

Größere Klassen in Japan

Japanische Schüler sitzen in deutlich größeren Klassen. Nach dem Bildungsbericht Education at a Glance der OECD, erschienen 2026, lernen an japanischen Grundschulen im Schnitt 26 Kinder in einer Klasse, in der Unterstufe der weiterführenden Schulen 32. In Deutschland sind es 21 und 23, genau der Durchschnitt der OECD. Auf eine Lehrkraft kommen in beiden Ländern dagegen ähnlich viele Schüler, an Grundschulen jeweils 15.

Eine Unterrichtsstunde dauert an Grundschulen in beiden Ländern 45 Minuten. Ein Kind in der sechsten Klasse einer japanischen Grundschule hat nach den Vorgaben des Bildungsministeriums (文部科学省) 945 solcher Stunden im Jahr.

Sitzenbleiben gibt es kaum

Den größten Unterschied gibt es beim Sitzenbleiben. In der Schulstudie PISA 2022 gaben rund 19 Prozent der fünfzehnjährigen Schüler in Deutschland an, schon einmal eine Klasse wiederholt zu haben. Im Schnitt der OECD waren es neun Prozent. In Japan lag der Wert bei der Runde 2012, für die Vergleichszahlen vorliegen, bei null.

Erlaubt ist das Sitzenbleiben in Japan zwar, in der Praxis kommt es in der Pflichtschulzeit aber kaum vor. Der Bildungssoziologe Toshihiko Maita (舞田敏彦) beschreibt das als Prinzip des Alters (年齢主義): Kinder rücken mit ihrem Jahrgang auf, Sitzenbleiben gilt als zu hart für das Kind. In Deutschland und vielen anderen Ländern gilt dagegen eher das Prinzip des Lernstoffs (課程主義): Wer den Stoff nicht beherrscht, wiederholt das Jahr. Maita hält keines der beiden Modelle für eindeutig besser.

Schüler packen selbst an

In japanischen Schulen gehört Arbeit zum Schultag. Die Schüler putzen gemeinsam ihr Klassenzimmer, auf Japanisch 掃除 (sōji). Das Mittagessen teilen Schüler im Klassendienst selbst aus. Die Bildungsforscherin Ryoko Tsuneyoshi (恒吉僚子) von der Universität Tokio zählt das zu einer japanischen Form der Erziehung, die neben Wissen auch Gemeinschaft, Hygiene und Dankbarkeit für das Essen vermitteln soll. Zusammen mit Klassenrat, Sportfest und Chorwettbewerben heißt sie 特別活動 (tokkatsu). Ihr Forschungsteam stellt das Modell inzwischen auch Schulen im Ausland vor, etwa in Indonesien.

In Deutschland übernehmen das Putzen in aller Regel Reinigungskräfte. Auch eine Schuluniform, wie sie die meisten japanischen Mittelschulen und Oberschulen vorschreiben, gibt es an deutschen staatlichen Schulen nicht.

Mittagessen in der Klasse

Das Schulessen, auf Japanisch 給食 (kyūshoku), essen japanische Grundschüler gemeinsam im Klassenzimmer. Fast alle öffentlichen Grundschulen bieten es an. Seit April 2026 übernimmt der Staat dafür an öffentlichen Grundschulen bis zu 5.200 Yen pro Kind und Monat. Kostenlos ist das Essen damit aber nicht überall, denn Kommunen dürfen höhere Kosten weiter von den Eltern verlangen.

Deutschland hat eine lange Tradition der Halbtagsschule, viele Kinder essen mittags zu Hause. Das ändert sich gerade. Seit dem 1. August 2026 haben Kinder in der ersten Klasse einen Rechtsanspruch auf Betreuung den ganzen Tag. Bis zum Schuljahr 2029/30 kommt jedes Jahr eine Klassenstufe hinzu, bis alle vier Grundschuljahre erfasst sind.

Neue Klassen jedes Frühjahr

Das japanische Schuljahr beginnt im April. Dann werden die Klassen häufig neu gemischt, auf Japanisch クラス替え (kurasugae). Nach Angaben eines Grundschullehrers achten die Lehrkräfte dabei auf Leistung, Sportlichkeit und das Verhältnis der Kinder untereinander. Kinder, die oft miteinander in Konflikt geraten, sollen nicht in derselben Klasse landen. In Deutschland bleibt eine Klasse dagegen oft über mehrere Jahre zusammen.

Wie unterschiedlich beide Länder mit Mobbing unter Schülern umgehen, beschreibt unser Artikel „Mobbing an Schulen: Wie Japan und Deutschland sich unterscheiden“.

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Quellen

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