17. Oktober 2026 · Tokio
In keinem anderen Land der G7 nehmen sich, gemessen an der Bevölkerung, so viele Menschen das Leben wie in Japan. 2025 waren es 19.188, im Schnitt mehr als 50 an jedem Tag. Besonders betroffen sind die Jüngsten: Bei den 10 bis 19 Jahre alten Menschen ist Suizid in Japan die häufigste Todesursache, und unter Schülerinnen und Schülern erreichte die Zahl 2025 einen neuen Höchststand.
Weniger als früher, aber noch immer viele
Nach der Statistik der Nationalen Polizeibehörde (警察庁), die das Gesundheitsministerium (厚生労働省) im März 2026 auswertete, kamen 2025 auf 100.000 Einwohner 15,6 Suizide. 13.176 der Toten waren Männer, 6.012 Frauen. Bei Männern liegt die Rate mit 22,0 mehr als doppelt so hoch wie bei Frauen mit 9,5.
Insgesamt ist die Zahl über die Jahre gesunken. Ab 1998 nahmen sich 14 Jahre lang jedes Jahr mehr als 30.000 Menschen in Japan das Leben, 2003 waren es 34.427. 2025 lag die Zahl erstmals seit Beginn der Statistik 1980 unter 20.000. Die Seite nippon.com führt den Rückgang auf die bessere Wirtschaftslage und den Ausbau von Beratungsangeboten vor Ort zurück.
Höher als in allen anderen G7 Staaten
Im internationalen Vergleich bleibt Japan trotz des Rückgangs auffällig. Das Gesundheitsministerium vergleicht in seinem Bericht Daten der Weltgesundheitsorganisation. Danach lag Japan zuletzt bei 16,5 Suiziden pro 100.000 Einwohner, die USA bei 14,9, Frankreich bei 13,7 und Deutschland bei 11,1. Am niedrigsten war die Rate in Italien mit 6,5. Die Zahlen stammen aus den Jahren 2020 bis 2022. Unter allen Mitgliedern der OECD liegt Japan im Vergleich der altersbereinigten Raten auf Platz fünf. Deutlich höher ist sie etwa in Südkorea.
Wer betroffen ist
Am häufigsten betroffen sind Menschen in ihren Fünfzigern. 3.743 von ihnen nahmen sich 2025 das Leben, mehr als in jeder anderen Altersgruppe, und auch die Rate war mit 20,3 pro 100.000 hier am höchsten. Es folgen die Vierziger mit 2.968 Toten. Etwas mehr als die Hälfte der Toten, 9.833 Menschen, hatte keine Arbeit, 7.875 waren erwerbstätig.
Bei den Gründen, die die Polizei erfasst, stehen gesundheitliche Probleme mit 11.355 Nennungen weit vorne. Es folgen wirtschaftliche Probleme mit 5.387 Nennungen, familiäre mit 4.201 und Probleme bei der Arbeit mit 2.390. Pro Person können bis zu vier Gründe erfasst werden. Von diesen vier häufigsten Gründen nahmen 2025 nur die wirtschaftlichen zu.
Rekord bei Schülerinnen und Schülern
Bei den Jüngsten zeigt die Kurve in die andere Richtung. 2025 nahmen sich 538 Grundschüler, Mittelschüler und Oberschüler das Leben, so viele wie nie seit Beginn der Statistik 1980. Es war der zweite Rekord in Folge. 356 von ihnen gingen auf eine Oberschule, 172 auf eine Mittelschule, zehn auf eine Grundschule. Bereits im zweiten Jahr in Folge waren mehr Mädchen als Jungen betroffen. Bei den unter 20 Jahre alten Menschen stieg die Zahl 2025 als einziger Altersgruppe.
Dass Suizid bei den 10 bis 19 Jahre alten Menschen die häufigste Todesursache ist, gibt es nach dem Bericht des Gesundheitsministeriums unter den G7 Staaten nur in Japan. In Deutschland sterben Menschen in diesem Alter am häufigsten durch Unfälle. Der Bildungssoziologe 舞田敏彦 hat für das Magazin Newsweek Japan zudem berechnet, dass die Rate an Oberschulen mit Teilzeit oder Fernunterricht 2025 mehr als viermal so hoch war wie an regulären Oberschulen.
Was die Regierung tut
Die Regierung beschloss im Juni 2023 einen Notfallplan gegen Suizide von Kindern. Im Juni 2025 änderte das Parlament das Gesetz zur Suizidprävention, die Änderungen gelten seit dem 1. April 2026 vollständig. Ein Paket der beteiligten Ministerien vom September 2025 sieht unter anderem vor, mehr Schulpsychologen und Sozialarbeiter an Schulen zu bringen. Schulen sollen über die Tablets der Schüler regelmäßig abfragen, wie es ihnen geht. Rund um die Uhr erreichbare Telefone und Beratung über soziale Medien sollen ausgebaut werden.
Rund um das Ende der Sommerferien rief die Behörde für Kinder und Familien (こども家庭庁) vom 20. August bis 9. September 2026 eine besondere Phase der Suizidprävention aus. Ihre Botschaft an Kinder lautete sinngemäß: Wenn dich etwas allein belastet, möchtest du nicht mit jemandem darüber reden? Über die allgemeine Lage der Einsamkeit in Japan berichtet unser Artikel „Einsamkeit in Japan: Vier von zehn fühlen sich allein“.
Hilfe: Wenn Sie selbst Suizidgedanken haben oder sich um jemanden sorgen: Die Telefonseelsorge in Deutschland ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 sowie online unter telefonseelsorge.de. In Japan bündelt das Gesundheitsministerium Hilfsangebote auf der Seite まもろうよこころ.
Quellen
- 厚生労働省/警察庁: 令和7年中における自殺の状況 (27.03.2026)
- 厚生労働省: 自殺対策白書, Kapitel 自殺の現状 (internationaler Vergleich)
- nippon.com: 自殺者数9年連続減、37年ぶりの低水準
- nippon.com: 自殺、初めて2万人下回る―厚労省
- リセマム: 小中高生の自殺、過去最多を更新…全体は過去最小の2万人以下に (30.01.2026)
- Newsweek日本版: 定時制・通信制の高校生の自殺率は全日制と比べて飛び抜けて高い (15.07.2026)
- こどもの自殺対策に関する関係省庁連絡会議: こどもの自殺対策推進パッケージ (11.09.2025, aktualisiert 01.2026)
- こども家庭庁/共同通信PRワイヤー: Ankündigung der Phase zur Suizidprävention bei Kindern (07.08.2026)
- evangelisch.de: Zahl der Suizide in Deutschland steigt leicht (26.11.2025)

