StartGesellschaftMord am Chef von „Gyoza no Ohsho“: Gericht spricht Yakuza-Funktionär frei

Mord am Chef von „Gyoza no Ohsho“: Gericht spricht Yakuza-Funktionär frei

16. Oktober 2026 · Kyoto

Der einzige Angeklagte im Mordfall um den früheren Präsidenten der Restaurantkette „Gyoza no Ohsho“ ist freigesprochen. Das Landgericht Kyoto sah es am Freitag nicht als erwiesen an, dass der 59-jährige Yukio Tanaka im Dezember 2013 Takayuki Ōhigashi erschossen hat. Tanaka ist ranghohes Mitglied einer Untergruppe des Kudo-kai, eines Yakuza-Syndikats aus Kitakyushu. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen Mordes und Verstoßes gegen das Waffengesetz lebenslange Haft gefordert.

Ōhigashi, damals 72 Jahre alt und Präsident der Betreiberfirma Ohsho Food Service, war am frühen Morgen des 19. Dezember 2013 gegen 5.46 Uhr auf dem Parkplatz vor der Firmenzentrale im Kyotoer Stadtbezirk Yamashina von mehreren Schüssen in Bauch und Brust getroffen worden. „Gyoza no Ohsho“ ist eine der bekanntesten Restaurantketten Japans, 1967 in Kyoto gegründet und mit mehr als 700 Filialen auf Gyoza (gebratene Teigtaschen) und chinesisch inspirierte Gerichte spezialisiert.

Zigarettenstummel als zentrales Indiz

Der Fall blieb fast neun Jahre ungeklärt. Erst im Oktober 2022 nahm die Polizei Tanaka fest, der damals in Fukuoka eine zehnjährige Haftstrafe wegen einer anderen Schießerei verbüßte. Direkte Beweise legte die Anklage nicht vor. Sie stützte sich vor allem auf zwei Zigarettenstummel vom Tatort, an denen Speichel mit Tanakas DNA gefunden worden war, außerdem auf Videoaufnahmen einer Person mit ähnlicher Statur und ähnlichem Gang nahe Ōhigashis Wohnhaus am Tag vor der Tat. Ein Motiv oder eine Verbindung zwischen Tanaka und dem Opfer benannte sie nicht.

Das Gericht ging zwar davon aus, dass die Stummel von Tanaka stammen. Es sei aber nicht auszuschließen, dass ein Dritter sie an den Tatort gebracht habe oder dass Tanaka sie bei einem früheren Auskundschaften hinterlassen habe, ohne vom Tatplan zu wissen. An seiner Täterschaft bestünden deshalb vernünftige Zweifel. Die Verteidigung hatte argumentiert, der wahre Täter habe die Stummel platziert, um Tanaka zu belasten, und auf ein mögliches Alibi in Fukuoka verwiesen.

Tanaka hatte die Tat von Beginn an bestritten. Zum Prozessauftakt im November 2025 sagte er, er sei „ganz bestimmt nicht der Täter“. Verhandelt wurde ohne Laienrichter, nur vor Berufsrichtern, an elf Verhandlungstagen; mehr als 30 Zeugen sagten aus. Nach dem Urteil sagte Tanaka laut dem Sender KSB, der Verdacht habe sein Leben verändert, und forderte, den wahren Täter zu finden.

Familie fordert Berufung

Die Hinterbliebenen reagierten über ihre Anwälte: Man sei über das „unerwartete Urteil“ „sehr enttäuscht“, es sei „äußerst ungerecht“. Sie hätten die Staatsanwaltschaft nachdrücklich gebeten, in Berufung zu gehen, und hofften auf ein Urteil des Obergerichts Osaka, das sie akzeptieren könnten. In Japan kann die Staatsanwaltschaft gegen einen Freispruch in Berufung gehen, die Frist beträgt 14 Tage. Ob sie das tut, war am Freitagabend offen.

Der frühere Osakaer Staatsanwalt Masataka Kamei sagte im japanischen Fernsehen, ein Zigarettenstummel sei kein direkter Beweis für einen Mord, das Urteil folge dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“. Wer Ōhigashi erschossen hat und ob es einen Auftraggeber gab, ist damit weiter ungeklärt. Das Kudo-kai, dem Tanaka angehört, ist seit 2012 offiziell als „besonders gefährliche“ Gruppe eingestuft.

Foto: Corpse Reviver / CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons

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