17. Oktober 2026 · Tokio
Wer im Taxi oder Bus den Fahrer beschimpft und nicht damit aufhört, soll in Japan künftig vor die Tür gesetzt werden können. Das Verkehrsministerium will in den Musterbedingungen für Unternehmen mit Taxis und Bussen ausdrücklich festhalten, dass Fahrer solchen Fahrgästen die Mitfahrt verweigern oder sie zum Aussteigen auffordern dürfen. Die neuen Regeln sollen am 1. Dezember in Kraft treten. Das hat die Nachrichtenagentur Kyodo am 15. Oktober nach einer Anfrage beim Ministerium berichtet. Ziel sei es, die Fahrer vor Übergriffen zu schützen.
In Japan heißt das Problem „Kasuhara“, kurz für „Customer Harassment“. Gemeint sind Beschimpfungen, Drohungen und anderes Verhalten von Kunden, das über jede vernünftige Beschwerde hinausgeht. Der Tokioter Branchenverband für Taxis und Mietwagen mit Fahrer zählt dazu etwa Gewalt, Drohungen, heimliches oder ungefragtes Filmen und aufdringliche Fragen zum Privatleben der Fahrer.
Musterregeln, die jede Firma übernehmen kann
Geändert werden sollen die sogenannten Standardbeförderungsbedingungen (標準運送約款). Das Ministerium entwirft sie als Vorlage, in der unter anderem steht, wofür ein Verkehrsunternehmen haftet. Firmen mit Taxis und Bussen können die Vorlage unverändert als eigene Geschäftsbedingungen verwenden. Künftig soll darin stehen, dass Fahrgäste Kasuhara unterlassen und dass Fahrer sie auffordern dürfen, damit aufzuhören. Ob die Bedingungen konkrete Beispiele für verbotenes Verhalten aufzählen, prüft das Ministerium nach Angaben von Kyodo noch.
Hintergrund ist ein Gesetz, das seit dem 1. Oktober gilt. Mit der Reform des Gesetzes zur Förderung der Arbeitsmarktpolitik müssen alle Unternehmen und Kommunen in Japan Maßnahmen gegen Kasuhara ergreifen, etwa eine klare Haltung festlegen und Anlaufstellen für betroffene Beschäftigte schaffen.
Streit im Taxi ist absehbar
Wie groß das Problem insgesamt ist, zeigt eine Umfrage des Ministeriums für Gesundheit und Arbeit aus dem Fiskaljahr 2023, auf die das Portal Naigai Times verweist. Demnach gaben 27,9 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sich Beschäftigte in den vorangegangenen drei Jahren wegen erheblicher Belästigung durch Kunden an sie gewandt hätten. Das waren 8,4 Prozentpunkte mehr als bei der Erhebung im Fiskaljahr 2020.
Leicht wird die Umsetzung nicht. Kyodo erwartet, dass Fahrgäste heftig reagieren, wenn ein Fahrer sie tatsächlich zum Aussteigen auffordert. Die Unternehmen müssten deshalb auch dafür sorgen, dass ihre Fahrer in solchen Situationen sicher sind. Offiziell veröffentlicht hat das Ministerium die geänderten Bedingungen bislang nicht. Nach dem Bericht von Kyodo sollen sie ab dem 1. Dezember gelten.

