StartPolitik & Wirtschaft„CoreWeave-Schock“: Nikkei verliert 3.318 Punkte – drittgrößter Punkteverlust seiner Geschichte

„CoreWeave-Schock“: Nikkei verliert 3.318 Punkte – drittgrößter Punkteverlust seiner Geschichte

15. Oktober 2026 · Tokio

An der Tokioter Börse ist der Nikkei-225 am Donnerstag eingebrochen. Der Leitindex schloss bei 64.425,95 Punkten, 3.318,34 Punkte oder 4,90 Prozent unter dem Vortag. In Punkten gemessen war es nach Angaben der Nachrichtenagentur Jiji Press der drittgrößte Tagesverlust in der Geschichte des Index. Zeitweise lag er mehr als 3.600 Punkte im Minus, zum Schluss rutschte er erstmals seit etwa einem Monat unter die Marke von 65.000 Punkten. Es war der sechste Verlusttag in Folge.

Auslöser war eine Verkaufswelle bei KI- und Chipwerten, die von der Wall Street ausging. Dort waren die Anleihen des US-Rechenzentrumsbetreibers CoreWeave unter Druck geraten, der Rechenkapazität für KI-Anwendungen vermietet. Die Rendite einer bis 2032 laufenden Anleihe stieg auf rund 15 Prozent, die Aktie verlor etwa 15 Prozent. Weil ein großer Teil der KI-Infrastruktur auf Pump finanziert wird, wuchs die Sorge, dass Investitionen ins Stocken geraten. Japanische Medien sprachen vom „CoreWeave-Schock“. Dazu kamen überraschend hohe US-Inflationsdaten für September, die Spekulationen auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank befeuerten.

In Tokio traf es vor allem Halbleiterwerte: Advantest verlor rund 15 Prozent, Lasertec etwa 14 Prozent. Advantest, Tokyo Electron und Softbank Group drückten den Nikkei zusammen um mehr als 2.000 Punkte. Starke Zahlen des taiwanischen Chipfertigers TSMC am Nachmittag änderten an der Stimmung wenig. Der breiter aufgestellte Topix gab mit 2,38 Prozent auf 3.999,34 Punkte deutlich weniger nach, Pharma-, Immobilien- und Einzelhandelswerte legten sogar zu. In Südkorea brach der Kospi um 7,6 Prozent ein.

Die historische Einordnung bezieht sich auf Punkte, nicht auf Prozent – bei einem Indexstand von über 60.000 fallen Punktverluste zwangsläufig größer aus als früher. Prozentual war es laut dem Datendienst FactSet der stärkste Tagesrückgang seit März. Mehr Punkte verlor der Nikkei nur am 5. August 2024 mit 4.451 Punkten und am 20. Oktober 1987, dem Tag nach dem „Schwarzen Montag“, mit 3.836 Punkten. Marktbeobachter rechnen mit weiteren Schwankungen, bis Ende Oktober die großen Cloud-Anbieter ihre Quartalszahlen vorlegen.

Foto: Chris 73 / CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons

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