StartTechnik & WissenAb zum Marsmond: Japan will als Erstes Proben von Phobos holen

Ab zum Marsmond: Japan will als Erstes Proben von Phobos holen

Aktualisiert am 19. Oktober 2026, 23:30 Uhr: Die Sonde hat sich wie geplant von der Rakete getrennt.

Japan hat seine bisher ehrgeizigste Mission zum Mars gestartet. Am Dienstag um 4:41 Uhr Ortszeit (Montag, 21:41 Uhr deutscher Zeit) hob eine H3-Rakete vom Weltraumbahnhof Tanegashima im Süden des Landes ab. An Bord war die Raumsonde MMX der japanischen Raumfahrtagentur JAXA.

MMX steht für „Martian Moons eXploration“, die Erkundung der Marsmonde. Die Sonde soll Phobos, den größeren der beiden Monde, aus der Nähe untersuchen, dort landen und Bodenproben einsammeln. 2031 sollen die Proben auf der Erde ankommen. Gelingt das, hätte zum ersten Mal überhaupt eine Mission Material aus dem Marssystem zur Erde gebracht.

Abtrennung nach gut einer Stunde

Nach dem Start flog die Rakete nach Angaben des Fachportals Mynavi Tech+ planmäßig. Rund 71 Minuten nach dem Abheben trennte sich die Sonde wie geplant von der Rakete. Jetzt ist MMX auf dem Weg zum Mars.

Für die H3, Japans neue Hauptrakete, war es der zehnte Flug und der erste mit einer Raumsonde für das tiefe All. JAXA setzte die stärkste Version mit vier Feststoffboostern ein. Zum ersten Mal kam außerdem eine verlängerte Nutzlastverkleidung zum Einsatz, damit die große Sonde hineinpasst.

Ein Rover aus Köln und Toulouse

Mit an Bord ist ein Fahrzeug aus Europa. Den Rover Idefix haben das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die französische Raumfahrtagentur CNES gemeinsam gebaut. Er wiegt 25 Kilogramm und ist etwa so groß wie ein Getränkekasten. Die Muttersonde soll ihn aus rund 40 Metern Höhe auf Phobos fallen lassen. Dort richtet er sich selbst auf und erkundet etwa 100 Tage lang die Oberfläche. Er soll auch eine gute Landestelle für die Sonde finden.

Idefix wäre das erste Fahrzeug auf Rädern auf einem Himmelskörper, dessen Schwerkraft weniger als ein Tausendstel der Erdanziehung beträgt. Das DLR hat unter anderem das Fahrwerk, das System zum Aufrichten sowie zwei Messgeräte beigesteuert, die Zusammensetzung und Temperatur des Bodens untersuchen. Gesteuert wird der Rover aus Kontrollzentren in Köln und Toulouse. Auch die NASA und die europäische Raumfahrtagentur ESA sind an der Mission beteiligt.

Woher kommen die Marsmonde?

Phobos misst an der breitesten Stelle knapp 27 Kilometer und hat eine unregelmäßige Form, eher wie eine Kartoffel als wie eine Kugel. Woher er stammt, ist bis heute ungeklärt. Er könnte ein Asteroid sein, den der Mars eingefangen hat. Oder er ist aus Trümmern eines großen Einschlags auf dem Mars entstanden. Die Proben sollen diese Frage klären.

Bis dahin ist es ein weiter Weg. Nach knapp einem Jahr Flug soll MMX in der zweiten Hälfte 2027 in eine Umlaufbahn um den Mars einschwenken. Zuerst kartiert die Sonde Phobos genau, um den Jahreswechsel 2028/2029 soll Idefix landen. Danach setzt die Sonde selbst auf, sammelt Material ein und beobachtet auch den kleineren Mond Deimos. Erfahrung mit solchen Rückholmissionen hat Japan: Die Sonden Hayabusa und Hayabusa2 brachten bereits Proben von zwei Asteroiden zur Erde.

Quellen

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