Im Chiba Nishi General Hospital in Matsudo bei Tokio liegt ein Patient im Bett, darüber steht in großen Buchstaben „voll langweilig“. In einem anderen Clip heißt es „öde“. Gefilmt haben das Pflegerinnen der Klinik, während ihrer Arbeitszeit und ohne Erlaubnis der Patienten. Laut dem Magazin Shūkan Josei machten sich weitere Einblendungen über Gewicht und Geruch von Patienten lustig.
Der Fall war nur der Anfang. Seit Anfang Oktober haben in Japan innerhalb von zwei Wochen mindestens fünf Krankenhäuser Fälle öffentlich gemacht, in denen Mitarbeiter Bilder oder Videos von Patienten in sozialen Netzwerken gezeigt hatten.
Entlassen nach zwei Tagen
In Matsudo erfuhr die Klinik am 8. Oktober gegen 15 Uhr durch einen Hinweis von außen von den Videos. Noch am selben Tag stellte sie drei Pflegerinnen frei, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die drei sagten, sie hätten die Videos nur untereinander geteilt und nicht nach außen gegeben. Entstanden waren sie laut Shūkan Josei mit der App Setlog, mit der man kurze Clips zu einem Video über den eigenen Tag aneinanderreiht. Es zeigte die Schicht vom Dienstbeginn bis zum Feierabend am nächsten Morgen.
Am 10. Oktober entließ die Klinik die beiden Frauen, die gefilmt hatten. Die dritte, die die Videos nur angesehen hatte, bekam eine strenge Verwarnung. Filmen ist in dem Krankenhaus grundsätzlich verboten.
„Aus Spaß gepostet“
Am 13. Oktober folgte das JR Sapporo Hospital in Hokkaido. Dort hatte eine Pflegerin im August eine Patientin beim Essen mit ihrem privaten Handy gefilmt und im September eine andere Patientin vor einer Blutabnahme fotografiert. Eine Kollegin stellte beides auf Instagram, nur für ihre Follower sichtbar, und löschte es nach acht bis zehn Stunden wieder. Trotzdem tauchten die Aufnahmen später im Netz auf. Beide Frauen sind in ihren Zwanzigern und arbeiten seit weniger als einem Jahr in der Klinik, berichtete der Sender STV. Sie habe das „aus Spaß“ gepostet, sagte die eine. Private Handys sind auf den Stationen eigentlich verboten, die beiden kannten die Regel nach eigenen Angaben nicht.
Am 15. Oktober entschuldigte sich das Kashiwa Kōsei General Hospital in Kashiwa bei Tokio. Jemand aus dem Personal hatte dort Bilder und Videos aus der Klinik auf einem privaten Konto gezeigt, einen Tag später folgte die Entlassung. Am selben Tag bestrafte das Iseikai International General Hospital in Osaka eine Person, die früher dort gearbeitet hatte, wegen eines ähnlichen Falls aus dem Juli, der gerade wieder die Runde machte. Sie hatte die Klinik da schon verlassen.
Patienten, die über den Boden kriechen
Am schwersten wiegt der jüngste Fall. Am 16. Oktober verbreitete ein fremdes Konto auf X Aufnahmen, die Patienten des Saiseikai Yahata General Hospital in Kitakyushu zeigen sollen. Darauf kriechen Patienten über den Boden oder liegen dort, dazu kommen abfällige Texte. Die Klinik entschuldigte sich noch am selben Tag. Zunächst prüfte sie, ob überhaupt jemand aus dem eigenen Haus dahintersteckt. Nach Berichten von Kyodo und dem Sender TNC stammen die Aufnahmen inzwischen wohl tatsächlich von einem Mitarbeiter. Die Klinik kündigte an, hart durchzugreifen.
„Nur für uns“ gibt es nicht
Warum sich die Fälle gerade so häufen, fragte das Portal J-CAST. Der IT-Journalist Toshiyuki Inoue sieht einen Grund im Stress, den Pflegekräfte im Umgang mit Patienten erleben.
Auffällig ist, dass die Beteiligten ihre Videos fast immer für privat hielten. In Matsudo sollten sie unter drei Kolleginnen bleiben, in Sapporo waren sie nur für Follower sichtbar. Wie gefährlich das ist, zeigt ein Fall aus dem Frühjahr: Das Musashino Tokushukai Hospital in Nishitokyo entdeckte im April 2026, dass ein Mitarbeiter schon im Januar 2025 ein Video ins Netz gestellt hatte, auf dem die Namen von 48 Patienten zu lesen waren. Die Klinik meldete den Fall der staatlichen Datenschutzkommission und schulte danach alle 636 Beschäftigten.
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