Der Volleyballer Rui Takahashi von den Suntory Sunbirds Osaka hat am 29. September auf Instagram öffentlich gemacht, dass er schwul ist. Laut dem LGBT-Portal OUT JAPAN ist er damit vermutlich der erste aktive männliche Profisportler in Japan, der sich als schwul outet.
Übersetzung aus seiner Mitteilung: „Seit meiner Kindheit hatte ich Angst, mich einer Seite von mir zu stellen, habe gegrübelt und mich selbst abgelehnt. Es geht darum, dass ich schwul bin. Durch ein Gespräch mit Ran konnte ich mich zum ersten Mal selbst annehmen.“
„Rui ist Rui“
Ran Takahashi ist sein jüngerer Bruder und spielt seit 2024 im selben Team. Er kommentierte den Beitrag mit drei Wörtern: „Rui ist Rui.“ Bis zum 3. Oktober bekam der Post nach Angaben des Magazins FRaU rund 368.000 Likes und mehr als 8.600 Kommentare, fast alle unterstützend.
Schon am nächsten Morgen folgte Reon Arao, Libero beim Erstligisten VOREAS Hokkaido. Das Wort Coming-out habe sich für ihn wie eine dicke Mauer angefühlt, schrieb er. Takahashis Mut habe ihm den letzten Anstoß gegeben.
Boys‘ Love ist nicht das echte Leben
Auf den ersten Blick ist das erstaunlich, denn Japan hat mit Boys‘ Love ein eigenes Genre für Liebesgeschichten zwischen Männern. Doch der Widerspruch ist alt. Schon in den 1990er-Jahren kritisierten schwule Autoren in der sogenannten Yaoi-Debatte, dass Schwule in dem Genre nur als Projektionsfläche dienten, wie eine Arbeit der Meiji-Universität nachzeichnet. Mit ihrem Alltag habe das wenig zu tun.
Im Sport kommt ein starkes Männerbild dazu. Laut der Organisation Pride House Tokyo erleben junge LGBTQ+-Menschen schon im Schulsport häufiger abwertende Sprüche.
Noch keine Ehe für alle
Gleichgeschlechtliche Paare dürfen in Japan nicht heiraten, obwohl in einer Umfrage der Werbeagentur Dentsu im Januar 2026 zwei Drittel dafür waren. Fünf von sechs Obergerichten haben das Verbot für verfassungswidrig erklärt. Jetzt entscheidet der Oberste Gerichtshof, ein Urteil wird nach Angaben des Portals Gladxx bis Ende März 2027 erwartet.

