StartKulturTraditionenNach zwei Toten: Nacktfest streicht Kampf um Stäbe

Nach zwei Toten: Nacktfest streicht Kampf um Stäbe

In Okayama fällt beim berühmten Nacktfest Saidaiji Eyō im kommenden Jahr der wichtigste Teil aus. Der Veranstalterverein hat am 20. Oktober beschlossen, den Kampf um die heiligen Holzstäbe 2027 nicht auszutragen. Im Februar 2026 waren dabei zwei Männer gestorben.

Zehntausend Männer, zwei Stäbe

Das Saidaiji Eyō gilt als eines der bekanntesten Hadaka Matsuri, also „Nacktfeste“, in Japan. Es findet seit mehr als 500 Jahren am Tempel Saidaiji Kannon-in im Osten der Stadt Okayama statt und ist als wichtiges immaterielles Volkskulturgut des Staates geschützt. Jedes Jahr im Februar drängen sich rund 10.000 Männer im Lendenschurz vor der Haupthalle. Um 22:00 Uhr werden aus einem Fenster zwei heilige Holzstäbe, die Hōgi, in die Menge geworfen. Wer einen ergattert, ist der Fukuotoko, der „Glücksmann“, und soll ein Jahr lang Glück haben.

Beim Fest am 21. Februar 2026 verloren im Gedränge um die Stäbe drei Männer das Bewusstsein. Zwei von ihnen starben später, der dritte kam wieder zu sich. Die Polizei ermittelt zur Ursache.

„Sehr schwierig“

Jetzt hat der Veranstalterverein Saidaiji Eyō Hōsankai entschieden: 2027 gibt es keinen Kampf um die Hōgi. Auch das Jioshi fällt aus, ein Zug der nackten Männer über das Tempelgelände vor dem Höhepunkt. Der Vorsitzende sagte, man nehme die zwei Todesfälle sehr ernst. Das Ritual so durchzuführen, dass die Sicherheit an erster Stelle steht, sei „sehr schwierig“. Umfassende Schutzmaßnahmen seien nicht möglich, solange die Empfehlungen einer externen Kommission noch fehlen.

Das Fest selbst soll es nach Angaben des Tempels auch 2027 geben. Ganz ohne Kampf um die Stäbe lief es schon einmal: In den Corona-Jahren 2021 bis 2023 fiel das Gerangel aus. 2021 wurde der Glücksmann unter früheren Glücksmännern ausgelost, 2022 und 2023 gab es gar keinen.

Wie es ab 2028 weitergeht

Über die Zukunft ab 2028 berät eine Kommission aus fünf Fachleuten, darunter Juristen und Rettungsfachleute. Sie hat rund 20 Gruppen und Teilnehmer interviewt und 1.000 Menschen in Okayama und der Region Kansai online befragt. Der Vorsitzende Shinsaku Sugiyama will die Tradition schützen, aber nicht in der heutigen Form weiterführen. Der Kampf um die Hōgi müsse auf den Prüfstand. Die Empfehlungen sollen im Dezember kommen.

Raue Bräuche gibt es in Japan viele, etwa das Kebesu-Fest in Kunisaki, bei dem um einen brennenden Farnhaufen gerungen wird.

Quellen

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