Wer in Japan ein Handy von Softbank hat, wäre von Freitagmorgen bis Sonntagvormittag nicht vor Erdbeben gewarnt worden. Der Mobilfunkanbieter hat am Freitag, 23. Oktober, um 6:47 Uhr japanischer Zeit seine Notfallmeldungen abgeschaltet. Selbst bei einem starken Beben wäre der Warnton stumm geblieben, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Betroffen waren auch die Kunden der günstigeren Marken Y!mobile und LINEMO. Softbank riet ihnen, sich eine andere Warn-App zu installieren.
Der Grund ist die schwere Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP. Wegen dieser Lücke haben Firmen und Behörden in Japan seit Tagen Webseiten und Dienste vom Netz genommen. Dass Hacker das Warnsystem angegriffen haben, ist nicht bekannt. Softbank spricht von Wartungsarbeiten, mit denen das Unternehmen auf die Lücke reagiert.
Der Alarm, den jeder in Japan kennt
Bei den Meldungen geht es um die sogenannte Kinkyū Sokuhō Mēru (緊急速報メール), wörtlich „Notfall-Eilnachricht“. Über diesen Dienst schicken die Wetterbehörde, der Staat und die Gemeinden ihre Warnungen gleichzeitig an alle Handys in einer betroffenen Region. Darunter sind Frühwarnungen vor Erdbeben, Tsunamiwarnungen und Aufrufe zur Evakuierung.
Am Sonntag um 9:25 Uhr hat Softbank die Erdbeben- und Tsunamiwarnungen der Wetterbehörde wieder eingeschaltet. Zu diesem Zeitpunkt waren sie gut 50 Stunden lang ausgefallen. Die Meldungen von Staat und Gemeinden, etwa zu Katastrophen und Evakuierungen, blieben weiter abgeschaltet. Am Montagnachmittag japanischer Zeit kamen sie laut CNET Japan noch immer nicht an. Softbank wollte die Arbeiten im Laufe des Montags abschließen.
Auch Docomo hat Meldungen gestoppt
Auch der Konkurrent NTT Docomo hat am Freitag gegen 19:30 Uhr einen Teil seiner Notfallmeldungen abgeschaltet. Docomo nennt sie „Area Mail“. Erdbeben- und Tsunamiwarnungen kamen bei Docomo-Kunden aber weiter an. Gestoppt waren die Meldungen des staatlichen Warnsystems J-Alert, Hochwasservorhersagen und Hinweise zu Evakuierungen. Am Sonntag um 20:01 Uhr lief wieder alles, früher als angekündigt.
Für Docomo ist es nicht die erste Störung in diesem Monat. Mitte Oktober konnte der Anbieter wegen eines Systemfehlers schon einmal Erdbebenwarnungen nicht verschicken, berichtete die Wirtschaftszeitung Nikkei.
Die Regierung ruft die Minister zusammen
Am Montag um 18 Uhr japanischer Zeit (10 Uhr deutscher Zeit) kamen die zuständigen Minister zu einer Krisenrunde über die vielen Cyberangriffe zusammen, mit Premierministerin Sanae Takaichi. Regierungssprecher Minoru Kihara sprach vorab von einer ernsten Lage, die das sichere Leben der Menschen bedrohe. „Gegenmaßnahmen sind dringend nötig“, sagte er. Laut der Nikkei sollte Takaichi die Minister beauftragen, Sofortmaßnahmen auszuarbeiten.
Anlass sind laut Kihara Datenlecks nach unbefugten Zugriffen und der Missbrauch der gestohlenen Daten. Angegriffen wurde unter anderem der Internetkonzern GMO. GMO hat die Regierung gebeten, die sogenannte aktive Cyberabwehr einzusetzen. Nach Angaben der Nikkei sollte bei dem Treffen auch besprochen werden, ob Polizei und Selbstverteidigungsstreitkräfte in die Server der Angreifer eindringen und sie unschädlich machen sollen. Mit am Tisch sitzt Cybersicherheitsminister Toshiharu Furukawa. Er war zuletzt mit dem Rat in der Kritik, die Menschen sollten ihre Daten selbst schützen.

