In Hadano in der Präfektur Kanagawa hat eine Wildkamera am Abend des 23. Oktober einen alten Bekannten gefilmt. Kurz nach 20:30 Uhr lief ein Kragenbär durch den Wald am Zenba-Pass. Drei Tage zuvor hatte die Stadt genau dieses Tier gefangen und danach tief in den Bergen ausgesetzt. Verraten hat ihn ein Sender, den er seitdem am Körper trägt.
Bären in der Nähe von Wohngebieten sind in Japan seit Jahren ein großes Thema. Gemeinden lassen die Tiere erschießen oder fangen sie ein und setzen sie anderswo aus. Eine Universität in Akita will jetzt Roboter einsetzen.
Mit Sender zurück zum Park
Seit dem 11. Oktober wurden im Kōbōyama-Park immer wieder Bären gesichtet. Der Park ist ein beliebtes Ausflugsziel nahe der Innenstadt. Die Stadt sperrte Teile davon und stellte eine Falle auf. Am 20. Oktober saß dort ein männlicher Kragenbär fest. Er war rund 1,40 Meter lang und wog 101 Kilogramm.
Getötet wurde er nicht. In Kanagawa gelten Kragenbären als selten. Laut Asahi Shimbun zeigte eine Analyse seines Kots, dass er vor allem Eicheln gefressen hatte. Die Stadt hielt ihn deshalb für wenig gefährlich. Nach den Regeln der Präfektur und in Absprache mit ihr setzte sie darauf, dass ihn der Fang das Fürchten vor Menschen gelehrt hatte. Sie legte ihm einen Sender an und brachte ihn tief ins Tanzawa-Gebirge.
Die Kamera am Zenba-Pass steht nur rund zwei Kilometer Luftlinie vom Park entfernt, nicht weit von bewohnten Gebieten. Am 24. Oktober suchte die Stadt den Park mit einem Empfänger ab und fing das Signal des Senders auf. Seitdem sind die Wege zu den drei Hügeln des Parks gesperrt. Kameras überwachen das Gebiet, dazu kommen Patrouillen.
Beschimpfungen nach Abschüssen
Doch auch wer Bären töten lässt, hat es schwer. Laut Yomiuri Shimbun beschweren sich Tierschützer bei Gemeinden, die Bären in Wohngebieten per Notabschuss töten lassen. Manche schreien die Mitarbeiter am Telefon an oder beleidigen sie. In Maizuru in der Präfektur Kyoto bat der Bürgermeister in den sozialen Medien darum, auf einschüchternde Anrufe und Anfragen zu verzichten. In manchen Rathäusern kommt die Arbeit wegen der Beschwerden ins Stocken.
Ein Roboterhund mit Bärenspray
Die Präfekturuniversität Akita stellte am 13. Oktober sechs Projekte gegen Bärenangriffe vor. Am meisten Aufmerksamkeit bekam „Hacchan“. Der vierbeinige Roboter ist einem Akita-Hund nachempfunden, einer Hunderasse aus der Region. Gebaut ist er auf Basis des Modells Go2 der chinesischen Firma Unitree.
Hacchan soll im Streifen zwischen Wald und Siedlung patrouillieren. Erkennen seine KI-Kamera und seine Infrarotsensoren einen Bären, bellt er und versprüht Bärenspray. Außerdem kann er andere Roboter in der Nähe herbeirufen, damit sie den Bären gemeinsam als Rudel vertreiben. Noch ist Hacchan ein Prototyp. Bei der Vorführung steuerte ihn ein Mensch. Uni-Präsident Hiroo Fukuda sagte, man wolle nicht länger in Angst vor Bären leben, sondern sich „mit Köpfchen wehren“.
Im Moment ist es vergleichsweise ruhig. Nach Zahlen des Umweltministeriums wurden von April bis September landesweit 64 Menschen von Bären verletzt. Das sind 35 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, der einen Rekord gebracht hatte. In der Präfektur Akita gingen im September 94 Meldungen über Bärensichtungen ein, im Vorjahresmonat waren es 867. Der Bärenforscher Yoshikazu Satō von der Rakunō-Gakuen-Universität erklärt das mit der guten Ernte im Wald. Die Bären finden dort genug Futter. Er rechnet aber damit, dass es im nächsten Jahr wieder zu wenig Nahrung gibt. Gemeinden sollten die ruhige Zeit deshalb nutzen, um Gras zu mähen und Bäume zu fällen. So könnten sich Bären nicht mehr so leicht an Siedlungen heranschleichen.
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