StartSport102 Jahre nur Männer: Tomoka Nishiyama wird Shōgi-Profi

102 Jahre nur Männer: Tomoka Nishiyama wird Shōgi-Profi

Im Shōgi-Haus des Japanischen Shōgi-Verbands im Tokioter Bezirk Shibuya hat Tomoka Nishiyama am Montag eine Entscheidung verkündet, auf die Japans Shōgi-Welt gut zwei Wochen gewartet hatte. Die 31-Jährige wird Kishi (棋士), also reguläre Profispielerin. Seit der Gründung des Verbands im Jahr 1924 hat das keine Frau geschafft. „Ich möchte gegen noch stärkere Gegner spielen. Ich möchte Partien spielen, mit denen ich weiter nach oben komme“, sagte sie vor der Presse.

Shōgi ist ein japanisches Brettspiel, das dem Schach ähnelt. Profis gibt es in zwei Klassen. Kishi können Männer und Frauen werden. Daneben gibt es die Joryū Kishi, eine eigene Profiklasse nur für Frauen mit eigenen Turnieren und Titeln. Dort gehört Nishiyama zur Spitze. Sie hält zurzeit vier Titel.

Zweimal ganz knapp gescheitert

Nishiyama stammt aus Ōsakasayama in der Präfektur Osaka. Mit fünf Jahren begann sie zu spielen. In der achten Klasse kam sie in den Shōreikai, die Nachwuchsschule des Verbands, die Jungen und Mädchen gleichermaßen offensteht. Vor ihr hatten es schon andere Frauen über diese Schule versucht. Kishi wurde keine.

Die letzte Stufe im Shōreikai ist die sogenannte Sandan-Liga. Nur die zwei Besten einer Saison steigen zu den Profis auf. In der Saison 2019/20, deren letzte Runde im März 2020 gespielt wurde, gewann Nishiyama 14 von 18 Partien. Zwei Mitspieler hatten dieselbe Bilanz, lagen aber in der Rangfolge vor ihr. Sie wurde Dritte. 2021 verließ sie die Nachwuchsschule und wechselte zu den Profis bei den Frauen.

Aufgegeben hat sie nicht. Mit guten Ergebnissen gegen Kishi erspielte sie sich das Recht auf eine Aufnahmeprüfung. Sie musste gegen fünf junge Profis antreten, drei Siege hätten gereicht. Nishiyama verlor mit 2:3.

Eine Regel, die sie als Erste nutzt

Im Juni 2025 schuf der Verband einen neuen Weg. Wer den Hakurei, den höchsten Titel bei den Frauen, insgesamt fünfmal gewinnt, darf Kishi werden. Bis dahin führte der Weg nur über den Shōreikai oder über eine Aufnahmeprüfung.

Am 10. Oktober verteidigte Nishiyama in Kanazawa ihren Hakurei-Titel. Sie gewann die Serie gegen Kana Fukuma mit 4:1. Es war ihr fünfter Hakurei-Titel. Direkt nach der Partie wollte sie sich nicht festlegen. Für die Entscheidung hatte sie zwei Wochen Zeit. Weil das Fristende auf einen Samstag fiel, verlängerte der Verband bis Montag. Am letzten Tag sagte sie zu.

Profi in zwei Welten

Am 1. April 2027 steigt Nishiyama mit dem 4. Dan ein, dem Einstiegsrang der Kishi. Sie beginnt in der sogenannten Free Class, einer Stufe außerhalb der Rangliste. In der Junisen, der Ranglistenliga der Profis, spielt sie damit noch nicht mit. Bei den übrigen Turnieren darf sie antreten. Ihre Titel bei den Frauen behält sie. Sie will auch dort weiterspielen und tritt damit als Erste in beiden Profiklassen zugleich an.

Die Regeln dafür sind streng. Einzelne Turniere darf sie nicht auslassen. Pausieren kann sie nur ganz, also entweder bei allen Turnieren der Frauen oder bei allen offenen Turnieren. Schafft sie es innerhalb von zehn Jahren nicht aus der Free Class heraus, verliert sie den Status als Kishi wieder. Profi bei den Frauen bleibt sie in jedem Fall.

Ihr Lehrer Hirofumi Itō, selbst 7. Dan, traut ihr viel zu. Er glaube, sie könne die Hälfte ihrer Partien gewinnen, sagte er der Zeitung Sports Hōchi. Beim Verband erhält Nishiyama die Kishi-Nummer 356.

Quellen

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