Am 27. September erklärte Japans Premierministerin Sanae Takaichi auf X ihre Ausländerpolitik, darunter strengere Regeln für eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Allein an diesem Tag erwähnten 4.908 Antworten unter ihren Beiträgen Ausländer oder Migration. Am Tag davor waren es 216. Mit diesem Beitrag begann sie ihre Erklärung:
Übersetzung: „Die Regierung nimmt ernst, dass sich manche Bürger wegen der wachsenden Zahl von Ausländern verunsichert oder ungerecht behandelt fühlen. Damit die Ausländerpolitik geordnet ist und Japaner wie Ausländer sicher leben können, haben wir im Januar ein umfassendes Maßnahmenpaket für die Aufnahme von Ausländern und ein geordnetes Zusammenleben beschlossen. […] Beim Aufenthaltsstatus für Unternehmer haben wir die Prüfung verschärft. Im ersten Halbjahr 2026 wurden dafür 90 Prozent weniger Bescheinigungen ausgestellt als ein Jahr zuvor.“
Die Zahlen zu den Antworten stammen aus einer Auswertung der Nachrichtenagentur Jiji Press. Sie hat sich zum ersten Jahrestag der Regierung alle Antworten auf Takaichis Beiträge seit Amtsantritt angesehen. Takaichi ist seit dem 21. Oktober 2025 im Amt und die erste Frau an der Spitze einer japanischen Regierung. Wer ihr antwortet, schreibt demnach deutlich öfter über Ausländer als sie selbst.
112.481 Kommentare zu einem Thema
Bis zum 21. Oktober hatte Takaichi als Premierministerin 868 Beiträge auf X veröffentlicht. Bis zum 23. Oktober kamen darauf 1.502.698 Antworten zusammen. Jiji ließ sie mit dem Analyseprogramm Brandwatch auswerten. 112.481 Kommentare enthielten die Wörter „Ausländer“ oder „Migration“. Das sind 7,5 Prozent. Takaichi selbst benutzte eines der beiden Wörter nur in 16 Beiträgen, also in 1,8 Prozent.
Auch unter Beiträgen, in denen sie gar nicht über Ausländerpolitik schrieb, häuften sich laut Jiji teilweise Kommentare wie „Gegen Migration“.
So viele Ausländer wie nie
Ende Juni lebten 4.281.026 Ausländer in Japan. Das ist ein neuer Höchststand. Jiji sieht darin einen Grund für die vielen Kommentare. Mit der Zahl der Ausländer wüchsen auch Interesse und Unsicherheit. Laut AFP kommen mehr Ausländer ins Land, weil die Bevölkerung altert und vielen Branchen Arbeitskräfte fehlen. Gemessen an der Gesamtbevölkerung ist ihr Anteil aber kleiner als in anderen Industriestaaten.
Takaichi hat das Thema schon vor ihrem Amtsantritt aufgegriffen. Im Herbst 2025 bewarb sie sich um den Vorsitz der Regierungspartei LDP. Damals sagte sie, ausländische Touristen träten in Nara die Hirsche. Als Premierministerin schuf sie dann einen neuen Ministerposten für ein „geordnetes Zusammenleben mit Ausländern“. Ministerin Kimi Onoda kündigte an, hart gegen Menschen vorzugehen, die sich nicht an die Regeln halten. Von Massenabschiebungen sprach sie nicht. Trotzdem verbreitete sich auf X und Facebook die Falschmeldung, Takaichi habe ein Ministerium für Massenabschiebungen gegründet. Laut AFP wurde einer dieser Beiträge mehr als neun Millionen Mal angesehen.
Der Sprung im September
Bis zum 26. September gab es nur acht Tage, an denen mehr als 1.000 Kommentare Ausländer erwähnten. Nach dem 27. September ging die Zahl nicht mehr deutlich zurück. Ab dem 18. Oktober lag sie vier Tage hintereinander über 1.000.
Viele Kommentare drehten sich um die Sorge, dass Ausländer die Sozialsysteme zu stark belasten. Manche Nutzer behaupteten ohne Beleg, die Justiz verzichte bei Ausländern zu oft auf eine Anklage. So auch diese Antwort direkt unter Takaichis Beitrag:
Übersetzung: „Bitte gehen Sie auch streng und angemessen gegen das häufige Problem vor, dass ausländische Straftäter nicht angeklagt werden.“
Der Ton wird dabei rauer. Brandwatch hat die Kommentare als positiv oder negativ eingestuft. Zuletzt gab es danach rund dreimal so viele negative wie positive Kommentare über Ausländer. Zu Beginn der Regierung Takaichi waren beide Seiten noch ungefähr gleich stark. Seitdem steigt der Anteil der negativen Kommentare.
Lies auch: Abendessen statt G7? Takaichi unter Druck und Rechte Partei feiert im Musikclub, der Club entschuldigt sich

