StartGesellschaftGefahr auf der Rolltreppe: Japans Kampf gegen Spanner

Gefahr auf der Rolltreppe: Japans Kampf gegen Spanner

Wer in Japan mit dem Handy fotografiert, hört immer ein „Klick“. Abschalten lässt sich das Geräusch nicht, nicht einmal im Lautlosmodus. Der Grund sind heimliche Aufnahmen intimer Körperstellen, etwa auf Rolltreppen oder in Toiletten. Auf Japanisch heißt das Tōsatsu. Und die Zahl der Fälle steigt.

Über 9.000 Fälle im Jahr

Nach Zahlen der Nationalen Polizeibehörde hat die Polizei 2025 rund 9.200 Fälle von heimlichen Aufnahmen aufgeklärt, gut 900 mehr als im Jahr davor. 2023 waren es noch rund 6.900. In über 80 Prozent der Fälle nahmen die Täter ein Smartphone. Am häufigsten passiert es in Einkaufszentren und an Bahnhöfen.

Seit Juli 2023 gibt es dafür ein eigenes Gesetz. Wer heimlich intime Körperstellen filmt, dem drohen bis zu drei Jahre Haft oder bis zu 3 Millionen Yen (rund 17.000 Euro) Geldstrafe. Schon das Aufstellen einer versteckten Kamera kann als Versuch strafbar sein. Vorher wurden solche Taten meist nach den Verordnungen der einzelnen Präfekturen bestraft.

Die Tricks sind vielfältig. In einem Leitfaden für Betreiber von Läden und Bahnhöfen listet die Polizei Kameras in Schuhen, Taschen, Kaffeedosen, Donutschachteln, Stiften und Brillen auf. Besonders gefährdet sind Rolltreppen, Treppen, Toiletten und Umkleiden. Die Polizei rät etwa, an Treppen Spiegel aufzuhängen. Wie nah das Problem ist, zeigt ein Fall aus Gyoda in der Präfektur Saitama, den JR East im Oktober öffentlich machte: Ein Bahnhofsmitarbeiter hatte Fahrgäste auf der Rolltreppe mit seinem Dienst-Tablet gefilmt. Ein Kunde meldete ihn, JR East entließ den Mann fristlos.

Das Klicken ist kein Gesetz

Die Klick-Regel ist älter als das Gesetz. Schon das erste Kamerahandy, das J-SH04 von Sharp aus dem Jahr 2000, ließ sich nicht stumm schalten. Vorgeschrieben ist das aber nirgends. Es ist eine freiwillige Regel der Mobilfunkanbieter und Hersteller, die seit über 20 Jahren gilt. Außer Japan kennt nur Südkorea eine solche Vorgabe.

In Japan wird inzwischen gestritten, ob das Klicken überhaupt etwas bringt. Im Juni forderten Nutzer auf X, die Regel abzuschaffen. Wer heimlich fotografieren wolle, nutze längst stumme Kamera-Apps, so das Argument. Eine davon wurde bei Google Play laut dem Technikportal ITmedia über zehn Millionen Mal heruntergeladen. Auch iPhones aus dem Ausland oder mit ausländischer SIM-Karte bleiben still. In einer Leserumfrage von ITmedia fanden 75 Prozent, Handys sollten beim Fotografieren nicht klicken.

Ganz nutzlos ist das Geräusch aus Sicht der Polizei trotzdem nicht. In ihrem Leitfaden nennt sie ungewöhnliche Auslösegeräusche ausdrücklich als Warnsignal, auf das Personal in Läden und Bahnhöfen achten soll.

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Quellen

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