Dieser Artikel ist Teil unseres Dossiers Japan und Deutschland.
Am 23. Mai 2026 war das Rheinufer in Düsseldorf voller Menschen. Rund 700.000 Besucher kamen nach Angaben des WDR zum Japan-Tag, so viele wie nie zuvor. Das Fest gilt als die größte Japanveranstaltung Europas. Entlang des Rheins gab es Stände mit Kimonos, Ikebana, Manga und Anime, dazu japanisches Essen, Taikotrommeln und Kampfkunstvorführungen. Zum Abschluss leuchtete ein japanisches Feuerwerk über dem Fluss. Eröffnet hatte Oberbürgermeister Stephan Keller den Tag traditionell mit dem Anstich eines Sakefasses.
Die größte japanische Gemeinde Deutschlands
Dass ausgerechnet Düsseldorf dieses Fest ausrichtet, hat einen Grund. Nach der Statistik des japanischen Außenministeriums lebten am 1. Oktober 2025 genau 7.010 Japaner in der Stadt. Das ist die größte japanische Gemeinde Deutschlands, vor München, Berlin und Frankfurt. In Europa liegen nur London und Paris vorn.
Dahinter steht die Wirtschaft. In Nordrhein-Westfalen gibt es nach Zählung des japanischen Generalkonsulats 640 Standorte japanischer Unternehmen. 388 davon, also rund sechs von zehn, sitzen in Düsseldorf. Die ersten japanischen Firmen kamen laut der Präfektur Chiba, der japanischen Partnerregion der Stadt, schon 1952. 1964 folgte der Japanische Club, 1966 die Japanische Industrie- und Handelskammer und 1973 die Japanische Schule. Seit 2005 pflegen Düsseldorf und Chiba einen Austausch, am 25. Mai 2019 unterschrieben beide eine offizielle Partnerschaft.
Ramen, Manga und lange Schlangen
Wo die Japaner leben und arbeiten, ist ein eigenes Viertel entstanden. Es liegt nahe dem Hauptbahnhof rund um die Immermannstraße und die Klosterstraße. Dort reihen sich Sushirestaurants, Ramenläden, japanische Bäckereien, Bars, Hotels, Supermärkte und Buchhandlungen aneinander. Eine in Deutschland lebende japanische Journalistin nennt das Viertel in Newsweek Japan Europas „Little Tokyo“.
Eine Anlaufstelle ist die japanische Buchhandlung Books & More an der Immermannstraße. Auf rund 100 Quadratmetern gibt es Bücher, Manga, Zeitschriften und Schreibwaren. Am Wochenende stehen die Kunden oft Schlange, und am Japan-Tag muss der Laden den Einlass begrenzen.
Warum viele Japaner Deutschland ohnehin mit Sympathie begegnen, von Beethovens Neunter bis zum Baumkuchen, erzählt unser Artikel „Ah, Doitsu!“: Woher Japans Sympathie für Deutschland kommt.
In Düsseldorf ist die japanische Gemeinde weiter gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Japaner in der Stadt um 2,9 Prozent.

