StartPolitik & WirtschaftMerz kommt nach Japan: Was Berlin von Tokio lernen will

Merz kommt nach Japan: Was Berlin von Tokio lernen will

Bundeskanzler Friedrich Merz reist am Mittwoch nach Tokio. Es ist sein erster Besuch in Japan, seit er im Mai 2025 Kanzler wurde. Premierministerin Sanae Takaichi empfängt ihn am 28. Oktober zu einem Gipfeltreffen. Tokio ist nach Singapur die zweite Station seiner Asienreise, danach geht es nach Südkorea. Mit dabei ist eine Delegation aus der Wirtschaft.

Japan gehöre „zu unseren engsten und strategisch wichtigsten Partnern in Asien“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher am Freitag. Beide Länder stünden vor ähnlichen Aufgaben, etwa bei der Wettbewerbsfähigkeit und in der Verteidigungspolitik. Konkrete Projekte nannte er nicht. Wer zur Wirtschaftsdelegation gehört, will die Bundesregierung erst während der Reise bekanntgeben.

Was Berlin von Tokio lernen will

Ein großes Thema sind Rohstoffe, vor allem seltene Erden. Diese Metalle stecken etwa in Elektromotoren, Windrädern und Smartphones, und der größte Teil kommt aus China. Japan gilt in Berlin als Vorbild dafür, wie man sich davon unabhängiger macht. Der Anstoß kam 2010, als China die Ausfuhr einschränkte. Japan suchte sich daraufhin gezielt andere Lieferanten. Kamen 2009 noch 85 Prozent seiner Importe aus China, waren es 2020 nur noch 58 Prozent.

Dahinter stehen gezielte Investitionen im Ausland. Die staatliche Rohstoffagentur JOGMEC und das Handelshaus Sojitz investieren seit 2011 in das australische Bergbauunternehmen Lynas. Lynas trennt seit Mitte 2025 auch schwere seltene Erden wie Dysprosium ab. Im März 2025 sagten JOGMEC und der Konzern Iwatani zu, bis zu 110 Millionen Euro in den französischen Verarbeiter Caremag zu investieren. Zugleich wurden langfristige Lieferungen schwerer seltener Erden nach Japan vereinbart. Ganz unabhängig ist aber auch Japan nicht. Bei schweren seltenen Erden hängt es weiter stark an China, das die Ausfuhr im April 2025 erneut beschränkt und Anfang 2026 noch einmal verschärft hat.

Drohnen und Rüstung

Auch bei der Verteidigung rücken beide Länder zusammen. Schon im Juli berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf diplomatische Kreise, beim Besuch solle es um Zusammenarbeit bei Sicherheit und Verteidigung gehen, etwa bei der Entwicklung von Drohnen. Weitere Themen seien der russische Krieg gegen die Ukraine, die Lage im Iran und die Straße von Taiwan.

Vorarbeit gibt es bereits. Seit Juli 2024 führen beide Regierungen regelmäßige Gespräche über wirtschaftliche Sicherheit, also über sichere Lieferketten, wirtschaftlichen Druck durch andere Staaten und den Schutz von Technologie. Im April 2026 unterzeichneten beide Wirtschaftsministerien in Berlin eine Vereinbarung über Technologien, die zivil und militärisch nutzbar sind. Im Juni berieten die Ministerien in Berlin mit rund 20 Unternehmen und Organisationen über eine engere Zusammenarbeit in Luftfahrt und Rüstung.

Handel fast ausgeglichen

Wirtschaftlich sind beide Länder eng verflochten. 2025 führte Deutschland nach Angaben des Auswärtigen Amts Waren für 22,1 Milliarden Euro aus Japan ein und für 21 Milliarden Euro dorthin aus. Japan ist nach China Deutschlands zweitgrößter Handelspartner in Asien, Deutschland ist Japans größter in Europa.

In Tokio nimmt Merz am Deutsch-Japanischen Wirtschaftsgipfel teil und besucht ein japanisches Unternehmen, das mit einer deutschen Firma zusammenarbeitet. Welches, hat die Bundesregierung nicht gesagt. Merz will japanische Firmen auch dazu bringen, mehr in Deutschland zu investieren. Am 29. Oktober reist er weiter nach Seoul.

Lies auch: Zu langsam für China: Japans Autobauer drücken aufs Tempo und „Ah, Doitsu!“: Woher Japans Sympathie für Deutschland kommt

Quellen

Mehr zum Thema

Schreib einen Kommentar

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein