17. Oktober 2026 · Kyoto
Eine 73 Jahre alte Mutter hat am 15. Oktober vor dem Landgericht Kyoto Klage gegen einen der bekanntesten Enthüllungskanäle auf YouTube eingereicht. Sie wirft dem YouTuber, der unter dem Namen „KENZO【新宿109】“ auftritt, und zwei Geschäftsleuten aus Okayama vor, ihren Sohn mit einem Video öffentlich als Betrüger hingestellt und so in den Tod getrieben zu haben. Von den drei Männern verlangt Saeko Nakano (中野さえ子) zusammen rund 230 Millionen Yen Schadenersatz.
Der Kanal hat mehr als eine Million Abonnenten und gibt sich als Kämpfer gegen Betrug und unseriöse Strukturvertriebe. Die Polizei der Präfektur Kyoto hatte den 28 Jahre alten YouTuber am 14. Oktober wegen des Verdachts der Verleumdung festgenommen. Die beiden Geschäftsleute, 46 und 35 Jahre alt, wurden wegen des Verdachts der versuchten Erpressung festgenommen.
Streit um eine Firmenübernahme
Nakanos Sohn (中野拓磨) leitete eine Immobilienfirma in Kyoto. Nach Darstellung der Klage hatte er 2023 die Anteile einer seiner Firmen an die beiden Geschäftsleute aus Okayama übertragen. Ab dem Frühjahr 2025 hätten sie ihm dann vorgeworfen, sie betrogen zu haben, und ihn bedroht, sagte die Mutter vor Journalisten.
Der Sender TBS veröffentlichte die Aufnahme eines Telefonats aus dieser Zeit. Darin verlangt der ältere der beiden Geschäftsleute, der Sohn solle sagen: „Mein Beruf ist Betrüger.“ Als dieser es schließlich sagt, folgt der Satz, ob er lebe oder sterbe, hänge allein von ihm ab. Die Polizei wirft den beiden vor, von dem Sohn drei Milliarden Yen erpressen gewollt zu haben. Dabei sollen sie gedroht haben, ein Video von ihm auf YouTube zu stellen.
„Ich wurde als Verbrecher abgestempelt“
Dieses Video entstand nach Angaben der Familie bei einem Treffen zwischen dem Sohn und den Geschäftsleuten, bei dem plötzlich der YouTuber auftauchte und ohne Erlaubnis filmte. Im Juni 2025 erschien es auf dem Kanal unter einem Titel, der den Sohn als Manager darstellte, der riesige Summen veruntreut habe. Laut der Familie zeigt es ihn, wie er auf dem Boden kniend um Verzeihung bittet. Im Video wird er als „Betrüger“ und als „Parasit von Kyoto“ bezeichnet. In der Klage heißt es, der ältere Geschäftsmann habe den YouTuber angewiesen, das Video als Druckmittel für die Erpressung zu drehen und zu veröffentlichen.
Nach Angaben der Familie zogen sich danach Geschäftspartner von der Firma zurück. Etwa einen Monat nach der Veröffentlichung, im Juli 2025, nahm sich der 36 Jahre alte Sohn das Leben. Kurz vorher nahm er noch ein Video auf, das der Sender Kansai TV ausgestrahlt hat. Darin sagt er, er wolle nicht als Missverstandener gehen. Durch die Sache sei er praktisch zum Verbrecher abgestempelt worden, in Zeiten sozialer Medien wende sich die ganze Gesellschaft auf einen Schlag gegen einen. So etwas solle man nach seinem Fall nicht mehr tun.
Beschuldigte äußern sich kaum
Der YouTuber sagte bei der Vernehmung laut TBS, er wolle sich erst nach einem Gespräch mit seinem Anwalt äußern. Der jüngere der beiden Geschäftsleute machte ebenfalls keine Angaben. Der ältere bestreitet die Vorwürfe teilweise: Was er gesagt habe, stimme zwar, Geld habe er damit aber nicht erpressen wollen.
„Hätte es dieses Video nicht gegeben, wäre mein Sohn vielleicht noch am Leben“, sagte die Mutter nach der Klageerhebung. Wer solche Videos zum Spaß anschaue, solle sich vorstellen, selbst in dieser Lage zu sein. „Macht nicht noch mehr Kinder wie ihn und Eltern wie mich.“ Wann das Landgericht Kyoto über die Klage verhandelt, ist noch nicht bekannt.
Wenn du selbst an Suizid denkst: In Deutschland bekommst du rund um die Uhr anonym und kostenlos Hilfe bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

