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Anime aus der KI: Drei Leute, ein Spielfilm

Eine kleine Firma aus dem Tokioter Stadtteil Shibuya hat einen Anime-Spielfilm veröffentlicht, dessen Bilder, Animation und Musik mit generativer KI entstanden sind. „Hoshi no Uta ga Kikoeru“ (星の唄が聞こえる, etwa „Ich höre das Lied der Sterne“) dauert 117 Minuten und ist seit dem 22. Oktober kostenlos auf YouTube zu sehen. In Japan ist das der „Tag des Anime“.

Gemacht hat den Film die Firma Speed Effect, die unter dem Namen Deline Prime KI-Videos produziert. Sie nennt ihn den ersten Zeichentrickfilm von mindestens 100 Minuten Länge, der komplett mit generativer KI entstanden ist. Das stützt sie allerdings nur auf eine eigene Suche im Netz.

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Der ganze Film „Hoshi no Uta ga Kikoeru“ (Japanisch, 117 Minuten). Auf YouTube ansehen

Drei Leute, mehr als 10.000 Versuche

Regie führte Hirotaka Yuino. Unter diesem Namen arbeitet der Firmenchef Shōhei Imai als Filmemacher. Es ist sein erster Film. Er schrieb das Drehbuch, entwarf Figuren und Hintergründe, machte die Musik und schnitt den Film. Zwei Mitarbeiter halfen bei Animation und Geräuschen. Laut Pressemitteilung hatte Imai vorher erst etwa ein Jahr Erfahrung mit Videoproduktion.

Die Arbeit begann im April, ruhte zwischendurch und lief ab August weiter. Insgesamt hat das Team nach eigenen Angaben rund drei Monate daran gearbeitet. Der Film besteht aus etwa 1.500 Einstellungen. Für jede brauchte das Team im Schnitt mehr als fünf Anläufe, insgesamt über 10.000.

Die bewegten Bilder erzeugten die Videoprogramme Seedance und MiniMax, die Standbilder kamen von ChatGPT, Nano Banana und Midjourney, die Musik von Suno. Laut Imai kostete das etwa ein Zehntel dessen, was ein normaler Animationsfilm kostet. Konkrete Summen nennt er nicht.

Echte Stimmen für die Hauptrollen

Die Hauptfiguren sprechen echte Sprecherinnen und Sprecher, einige Nebenrollen kommen aus der KI. Imai betont, dass in den Befehlen an die KI keine bestehenden Anime als Vorlage dienten. Drehbuch, Liedtexte und Befehle habe er selbst geschrieben. Nur Menschen könnten etwas schaffen, das Menschen berührt, sagt er sinngemäß. Die KI sieht er als Partner, nicht als Sparmodell und nicht als Weg, sich fremde Werke anzueignen.

Er räumt auch Schwächen ein. Der Film habe das Niveau eines Erstlingswerks. Bei langen KI-Filmen sei es schwer, Hintergründe, Bildaufbau und Figuren über viele Szenen gleich aussehen zu lassen und die Gefühle der Figuren durchzuhalten.

Ein Wunsch an die Sterne

Der Film erzählt von Rei, der als Kind seine Eltern verliert. Als Erwachsener gründet er eine erfolgreiche Firma, misst seinen Wert aber nur noch an Leistung und verliert dabei Freunde, Familie und sich selbst. Ein Ritual aus seiner Kindheit, ein Wunsch an die Sterne, bringt ihn zurück zu sich. Die Geschichte ist mit der Region Aso in der Präfektur Kumamoto verbunden. Die Hintergründe entstanden nach Fotos des Oshidoishi-Hügels, die Sterne sollen dabei an der richtigen Stelle am Himmel stehen.

Mitten im Streit um KI-Stimmen

Der Film kommt in einer Zeit, in der Japans Sprecherinnen und Sprecher gegen KI-Kopien ihrer Stimmen kämpfen. Am 15. Oktober stellte der Schauspielerverband Nippairen eine Richtlinie für den Umgang mit Stimmen in generativer KI vor. Masako Nozawa, seit Jahrzehnten die Stimme von Son Goku aus „Dragon Ball“, zeigte sich dort enttäuscht über die unerlaubte Nutzung ihrer Stimme. Ihr Kollege Bin Shimada erzählte, wie er eine KI-Version seiner Figur Broly den Song „Usseewa“ der Sängerin Ado singen hörte.

Auf X ist das Echo auf den KI-Film bisher klein. Geteilt werden vor allem Nachrichten und Beiträge des offiziellen Kontos. Ein Nutzer schrieb: „Wow, das ist ja wirklich ein richtiger Film.“ Imai will den Film dauerhaft kostenlos zeigen und als Nächstes KI-Anime in anderen Genres machen, auch im Auftrag.

Quellen

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