Wer in Kyoto oder Nara Tempel besichtigt, wird mitunter von einer Gruppe japanischer Grundschüler angesprochen. Die Kinder tragen Arbeitsblätter um den Hals, stellen auf Englisch ein paar Fragen und verabschieden sich mit einem kleinen Geschenk. Was für Touristen wie eine spontane Begegnung wirkt, ist in Wahrheit Unterricht.
Englisch an echten Menschen üben
Mehrere Schulen in der Region schicken ihre Klassen gezielt dorthin, wo viele ausländische Besucher unterwegs sind. Die Grundschule Mimaki in Kumiyama bei Kyoto macht das schon seit Jahren. Bei ihrem Programm „English Adventure“ ziehen die Klassen 3 bis 6 in Gruppen von fünf oder sechs Kindern zu den Sehenswürdigkeiten von Kyoto und Nara. Sie interviewen ausländische Touristen auf Englisch, überreichen zum Dank ein selbst gebasteltes Geschenk und machen ein Erinnerungsfoto. Manche Gesprächspartner schicken später sogar eine Dankesmail. In der Schule kommen die Fotos auf eine Weltkarte, an den Ort, aus dem die Besucher stammen.
Die Grundschule der Kindai-Universität in Nara schickte 2023 alle 107 Sechstklässler zum Kiyomizu-Tempel in Kyoto. Vorher lernten die Kinder Begrüßungen in 16 Sprachen, um die Gäste in ihrer Muttersprache anzusprechen, und übten mit einer Lern-App das freie Gespräch auf Englisch.
Verstanden werden macht Mut
Ziel ist, dass die Kinder ihr Schulenglisch zum ersten Mal außerhalb des Klassenzimmers einsetzen. Die Schule in Kumiyama beobachtet, dass das Erlebnis, mit dem eigenen Englisch verstanden zu werden, die Kinder motiviert und neugierig auf andere Kulturen macht. Auch Touristen, die mitmachen, loben oft, wie höflich und bemüht die Kinder sprechen. Die Kindai-Schule will mit den Gesprächen außerdem Vorurteile gegenüber anderen Ländern abbauen.
Wie so eine Begegnung aussieht, zeigt zum Beispiel dieses Video der Tiktokerin salka.fit:
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