Dieser Artikel ist Teil unseres Dossiers Japan und Deutschland.
Wer in Japan sein Portemonnaie liegen lässt, hat gute Chancen, es wiederzusehen. Allein in Tokio haben ehrliche Finder 2025 rund 4,5 Milliarden Yen Bargeld (rund 25 Millionen Euro) bei der Polizei abgegeben, so viel wie nie. Dazu kamen mehr als 330.000 Geldbörsen. Gut 70 Prozent des abgegebenen Geldes ging an die Besitzer zurück. In Deutschland würde kaum jemand darauf wetten, eine verlorene Geldbörse samt Inhalt zurückzubekommen.
Das passt zu den großen Zahlen. Japans Polizei hat 2025 im ganzen Land 774.142 Straftaten nach dem Strafgesetzbuch erfasst, bei rund 123 Millionen Einwohnern. In Deutschland zählte die Polizei im selben Jahr rund 5,5 Millionen Straftaten, bei rund 84 Millionen Einwohnern. Auf 1.000 Menschen kommen in Japan also etwa sechs Straftaten, in Deutschland etwa 66. Ganz deckungsgleich sind die Statistiken nicht, die deutsche zählt zum Beispiel auch Drogendelikte mit. Der Abstand bleibt trotzdem groß.
Raub und Gewalt
Am deutlichsten wird der Unterschied bei Raubüberfällen. In Japan zählte die Polizei 2025 genau 1.428. In Deutschland zählte die Polizei 2024 laut Kriminalstatistik 43.194 Raubdelikte. Japan zählte 2025 insgesamt 15.086 schwere Verbrechen, darunter Mord, Raub, Brandstiftung, Entführung und schwere Sexualdelikte. In Deutschland erfasste die Polizei rund 212.300 Gewalttaten, in rund 29.200 Fällen war ein Messer im Spiel.
Die Richtung stimmt in Deutschland immerhin. 2025 ging die Zahl der Straftaten um 5,6 Prozent zurück, die Gewaltkriminalität sank zum ersten Mal seit 2021, um 2,3 Prozent. Sorgen macht vor allem die Zahl der Vergewaltigungen, die um 9 Prozent stieg.
Ratschläge der Botschaft
Wer als Japaner nach Deutschland zieht, bekommt von seiner Regierung ein Heft mit: das Anzen no Tebiki, den Sicherheitsleitfaden der Botschaft und der Generalkonsulate. In der Ausgabe vom Januar 2026 heißt es, Deutschland gelte in Europa als vergleichsweise sicheres Land. Man solle es aber nicht mit japanischen Maßstäben betrachten. Pro Kopf würden hier rund zwölfmal so viele Straftaten erfasst wie in Japan.
Das häufigste Problem für Japaner in Deutschland sind Taschendiebe. Laut dem Leitfaden trifft es vor allem Touristen und Geschäftsreisende in Düsseldorf und Köln, in Hotellobbys, Bahnhöfen und Restaurants. Eine typische Masche: Jemand spricht sie freundlich an und erzählt, er sei ein großer Japan-Fan, während ein Komplize die Tasche nimmt. Die Botschaft rät, nachts Bahnhofsviertel zu meiden, etwa rund um den Frankfurter Hauptbahnhof, und bei einem Überfall keinen Widerstand zu leisten.
Ganz selten bleibt es nicht beim Diebstahl. Im Juli 2020 wurde in der Düsseldorfer Innenstadt eine Japanerin getreten und geschlagen, nachdem sie einer Frau kein Kleingeld geben wollte. Im Frankfurter Bahnhofsviertel griff 2014 ein Mann einen japanischen Touristen mit einer Bierflasche an, um ihm die Kamera zu rauben. In beiden Fällen war die Polizei schnell zur Stelle.
Auch vor Terror warnt Japans Außenministerium. Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016 riet es Japanern, Weihnachtsmärkte in Deutschland zu meiden. Heute nennt es die Anschläge von Solingen, Magdeburg und zuletzt vom Christopher Street Day in Berlin im Juli 2026 und rät zu Vorsicht bei großen Veranstaltungen. Japaner waren bisher nicht unter den Opfern. Eine Reisewarnung hat Japan für Deutschland nicht ausgesprochen.
Auch Japan wird unsicherer
Ganz ohne Sorgen ist auch Japan nicht mehr. Die Zahl der Straftaten stieg 2025 um 4,9 Prozent, zum vierten Mal in Folge, und lag zum ersten Mal wieder über dem Stand vor der Pandemie. Vor allem Betrug nimmt stark zu: Betrüger erbeuteten 2025 rund 402,9 Milliarden Yen (rund 2,3 Milliarden Euro), 31 Prozent mehr als im Jahr davor. Hinter vielen Taten stecken lose organisierte Banden, die ihre Handlanger über soziale Netzwerke anwerben.
An der Begeisterung der Japaner für Deutschland ändert das alles wenig. Warum das so ist, beschreibt unser Artikel „‚Ah, Doitsu!‘: Woher Japans Sympathie für Deutschland kommt“.

