StartEntertainmentAnime & MangaGoku von Nizza: Japan feiert den Mann, der sich Plünderern stellte

Goku von Nizza: Japan feiert den Mann, der sich Plünderern stellte

In Nizza hat sich ein Verkäufer einer Spielekette Randalierern in den Weg gestellt, und ausgerechnet in Japan wird er jetzt als Held gefeiert. Japanische Nutzer nennen ihn den „französischen Son Goku“. Der Grund ist ein Foto: Es zeigt den Mann vor der zerbrochenen Schaufensterscheibe, direkt neben einem großen Plakat von Goku, der Hauptfigur aus „Dragon Ball“.

Was in Nizza passiert ist

Frankreich wird seit Wochen von schweren Krawallen erschüttert. Angefangen hat es im September mit Protesten von Schülern bei Paris. Später kamen Gewerkschaften und der Ärger über hohe Preise und niedrige Löhne dazu. Längst ziehen aber auch Randalierer durch die Städte, denen es nur ums Zerstören und Plündern geht. Allein am Samstag, dem 17. Oktober, waren nach Angaben des japanischen Nachrichtenportals NEWS Post Seven landesweit rund 550.000 Menschen auf der Straße. In Paris brannten Autos, Geschäfte wurden geplündert. In Limoges wurde das Rathaus aus dem 19. Jahrhundert in Brand gesteckt. Bis zum 19. Oktober nahm die Polizei nach Angaben des Innenministeriums rund 2.400 Menschen fest.

In Nizza traf es unter anderem eine Filiale der Spielekette Micromania an der Avenue Jean-Médecin. Ihr Leiter, in den Medien nur Pierre genannt, hatte eigentlich frei. Als er hörte, dass Vermummte die Scheibe eingeschlagen hatten, fuhr er hin, warf die Plünderer aus dem Laden und stellte sich in die zerbrochene Schaufensterfront. Er wurde ausgelacht, von hinten getreten und mit Steinen und Orangen beworfen. Der Laden wurde trotzdem teilweise geplündert. Pierre blieb nach eigenen Worten mehrere Stunden vor Ort und kam mit Schürfwunden und einer Verstauchung davon.

Wie Japan reagiert

Videos und Fotos der Szene verbreiteten sich weltweit. In Japan stand das Thema auf X gleich unter mehreren Überschriften in den Trends, etwa „Spieleladen-Leiter in Nizza schützt Laden vor Randalierern und wird als Goku gefeiert“. Am Mittwoch berichteten auch große japanische Nachrichtenseiten wie Yahoo News Japan darüber.

Dass er für etwas kämpft, das er liebt, kam laut NEWS Post Seven in Japan besonders gut an. Einer der Posts dazu wurde mehr als acht Millionen Mal angesehen und rund 177.000 Mal mit „Gefällt mir“ markiert:

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Übersetzung: „Verteidigt ganz allein einen Anime-Laden gegen die Eindringlinge. Dieser französische Otaku ist so verdammt cool, ich musste weinen.“

Andere fanden vor allem das Bild stark:

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Übersetzung: „Der französische Son Goku, der den Anime-Laden beschützt. Ganz schön beeindruckend.“

„Ich bin mit Goku aufgewachsen“

NEWS Post Seven hat Pierre selbst erreicht. Das Goku-Plakat stand nicht zufällig dort, es ist ein altes Werbeplakat zum Kampfspiel „Dragon Ball FighterZ“. „Goku ist heute ein weltweites Symbol. Ich liebe dieses Spiel, deshalb steht es immer da“, sagte er. In seinem Instagram-Profil nennt er sich inzwischen selbst „The French Goku“.

Pierre erzählt, er sei als Kind mit „Dragon Ball Z“ und „Saint Seiya“ im Fernsehen groß geworden, später kamen „Fist of the North Star“ und „City Hunter“ dazu. Seine Katze heißt Nicky, nach Nicky Larson, so heißt der Held von „City Hunter“ in Frankreich. An die japanischen Fans richtete er einen Dank: „Ihr habt mich seit meiner Kindheit träumen lassen.“

Japan hat er vor zehn Jahren einmal besucht. Hängen geblieben ist ihm vor allem eine Szene in Tokio: Als ihm in einem Laden in Shibuya die Füße wehtaten, habe ihm eine Frau extra einen Stuhl gebracht. „Diese Freundlichkeit habe ich nie vergessen.“ Er wolle bald mit seiner Frau wiederkommen.

Einen Helden sieht er in sich selbst nicht. Dem französischen Sender M6 sagte er, mit Mut habe das nichts zu tun, eher sei es dumm gewesen. Am meisten habe ihn getroffen, dass die Plünderer gelacht hätten. Viele seiner Kunden seien Kinder. Die Plünderer in Nizza beschreibt er als organisierte Gruppen, die sich vorher über Snapchat verabredet hätten. In sechs bis sieben Stunden vor dem Laden habe er keine einzige politische Forderung gehört, nur Beschimpfungen und Gelächter. Mit den friedlichen Demonstranten hätten diese Leute nichts zu tun. Die Krawalle hätten sich wie ein Parasit an die Proteste gehängt und deren Anliegen übertönt.

Vorsicht bei Spendenaufrufen

Inzwischen sammeln mehrere Spendenaktionen in Pierres Namen Geld, eine davon nach Angaben des Portals Dexerto schon über 5.600 Euro. Pierre hat auf Instagram klargestellt, dass keine dieser Aktionen von ihm stammt, und davor gewarnt, dafür zu spenden.

Quellen

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