- In Japan wollen so viele junge Menschen wie nie zuvor ledig bleiben. 24,0 Prozent der unverheirateten Männer zwischen 18 und 34 Jahren sagen das, bei den Frauen sind es 21,5 Prozent. Das zeigt die große Umfrage zu Ehe und Familie des staatlichen Instituts für Bevölkerungsforschung (IPSS), die im September erschienen ist. Vier Jahre zuvor lagen die Werte noch bei 17,3 und 14,6 Prozent. Nur noch 75,1 Prozent der Männer und 77,8 Prozent der Frauen wollen irgendwann heiraten.
Viele haben sich auch von der Partnersuche verabschiedet. Jeder dritte Unverheiratete ohne Partner wünscht sich gar keine Beziehung. Unter den Unverheirateten Anfang 30 hatten 40,5 Prozent der Männer und 28,9 Prozent der Frauen noch nie eine.
Freiheit statt Partnersuche
Lange hieß es in Japan, die Jungen wollten ja heiraten, fänden aber niemanden oder könnten es sich nicht leisten. Die neuen Zahlen stellen das infrage. Der häufigste Grund, warum Menschen zwischen 25 und 34 ledig sind, ist zwar weiterhin, dass sie den passenden Partner noch nicht getroffen haben. Dieser Anteil sinkt aber. Geld als Hindernis nennen inzwischen sogar weniger Befragte als früher. Vor allem Männer schätzen dagegen, dass sie als Ledige frei über ihr Leben bestimmen können.
In den sozialen Medien diskutieren vor allem Frauen, was ihnen eine Ehe überhaupt bringt. Eine Nutzerin fragte auf X, welche Vorteile eine Ehe für eine Frau habe, die über 5 Millionen Yen (rund 28.000 Euro) im Jahr verdient und finanziell unabhängig ist. Noch deutlicher wurde eine andere. Ihr Post bekam im Oktober mehr als 30.000 Likes.
Übersetzung: „Warum so viele unverheiratet bleiben? Wenn man ohnehin zwei Einkommen braucht, um über die Runden zu kommen, hat eine Ehe für Frauen keinen Vorteil. Eher überwiegen die Nachteile. Dann lebt man allein, frei und unabhängig glücklicher. Solange eine Ehe keinen echten Vorteil bringt, werden immer mehr Menschen ledig bleiben.“
Es gibt auch Gegenstimmen. Ein Augenarzt in seinen Dreißigern schrieb, mit 18 bis 34 sage man so etwas leicht. Schwer werde das Alleinsein erst danach. Man solle lieber Menschen über 45 fragen, ob sie nicht doch besser geheiratet hätten. Und die Mangaautorin Koharu Yukimura verkündete im Oktober ihre Hochzeit. Sie habe selbst lange gedacht, eine Ehe bringe nichts und sie werde nie heiraten. Dann habe sie jemanden getroffen, mit dem sie ihr Leben verbringen wolle, „ganz ohne Kosten-Nutzen-Rechnung“.
Partnerbörse vom Rathaus
Tokio versucht gegenzusteuern. Seit September 2024 betreibt die Stadtregierung eine eigene Partnerbörse per App. Bis April 2026 hatten sich nach Angaben der Stadt rund 34.000 Menschen angemeldet. 660 Paare waren eine feste Beziehung eingegangen, 208 hatten geheiratet.
Weniger Ehen, weniger Kinder
Für Japan ist das mehr als eine Lebensstilfrage. Dort kommen Kinder fast nur in Ehen zur Welt. 2025 wurden nach den endgültigen Zahlen des Gesundheitsministeriums 671.270 Kinder geboren, so wenige wie nie seit Beginn der Statistik. Es war der zehnte Rückgang in Folge. Eine Frau bekommt rechnerisch 1,14 Kinder, in Tokio nur 0,96.
Auch die Wünsche schrumpfen. Ledige, die heiraten wollen, wünschen sich im Schnitt nur noch 1,64 Kinder (Männer) und 1,70 (Frauen). Verheiratete Paare planen erstmals weniger als zwei Kinder.
Einen kleinen Lichtblick gibt es. Im ersten Halbjahr 2026 kamen nach vorläufigen Zahlen 342.068 Kinder zur Welt, 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Es ist das erste Plus seit elf Jahren. Als Grund gelten die Hochzeiten, die nach der Coronazeit nachgeholt wurden. Die vorläufigen Zahlen enthalten aber auch Ausländer, die endgültigen fallen meist niedriger aus. Weil im selben Zeitraum fast 779.000 Menschen starben, schrumpfte Japans Bevölkerung trotzdem um rund 437.000.
Mehr zum Thema: „Einsamkeit in Japan: Vier von zehn fühlen sich allein“.

