In Tokio hat das japanische Bildungsministerium am Donnerstag bekannt gegeben, dass Shigeru Miyamoto den Kulturorden (文化勲章, Bunka Kunshō) erhält. Es ist Japans höchste Auszeichnung für Kultur, sie geht auch an Wissenschaftler. Der 73-Jährige ist der erste Mensch aus der Spielebranche, der sie bekommt.
Miyamoto arbeitet seit 1977 bei Nintendo. Er gilt als Vater von Super Mario, Donkey Kong, The Legend of Zelda und Pikmin. Heute sitzt er im Vorstand des Konzerns und trägt den Titel „Fellow“.
„Ziemlich verlegen“
Schon am Mittwoch, einen Tag vor der offiziellen Bekanntgabe, sprach Miyamoto in Nintendos Zentrale in Kyoto mit Journalisten. „Ich bin ziemlich verlegen, aber ich fühle mich wirklich geehrt, für eine so angesehene Auszeichnung ausgewählt worden zu sein“, sagte er. Spiele mache niemand allein. Er nehme den Orden deshalb stellvertretend für die vielen Menschen an, mit denen er gearbeitet hat.
Was es bedeutet, dass Spiele jetzt offiziell als Kultur gelten, erklärte er so: „Dass Spiele zur Kultur geworden sind, heißt wohl, dass Spiele etwas Selbstverständliches geworden sind.“ Er habe außerdem immer gedacht, dass niemand Bedienung so ernst nehme wie die Spielebranche. Zur Zeit von Wii und Nintendo DS arbeitete er daran, die Steuerung so einfach zu machen, dass auch Menschen ohne Spielerfahrung sofort mitspielen konnten.
Immer in Kyoto geblieben
Miyamoto wuchs in Sonobe in der Präfektur Kyoto auf und hat sein ganzes Berufsleben in Kyoto verbracht. Nach seinem 30. Geburtstag habe man ihm gesagt, Designer würden verkümmern, wenn sie nicht in einer Stadt an der Spitze der Entwicklung lebten. Er machte trotzdem einfach weiter Spiele. Heute sagt er, gerade die geduldige Arbeit an einem Ort habe seine Spiele hervorgebracht.
Auch beim Kino hat er seine Meinung geändert. Lange habe er erklärt, er werde keine Filme machen. Ein Film brauche eine Geschichte, und die lege Charakter und Familie der Figuren fest. Das hätte ihn bei künftigen Spielen eingeschränkt. Umgestimmt hat ihn, dass viele Fans die Nintendo-Figuren um ihrer selbst willen lieben. Inzwischen arbeitet Miyamoto an Filmen, am Themenbereich Super Nintendo World in den Universal-Parks und an Pikmin für Smartphones. Er wolle weiter Dinge machen, „die immer im Mittelpunkt des Wohnzimmers stehen“.
Vom Baseballstar bis zum Nobelpreisträger
Den Orden bekommen in diesem Jahr acht Menschen, darunter der Architekt Toyo Ito und der Chemiker Kenso Soai, der erst Anfang Oktober den Nobelpreis für Chemie zugesprochen bekam. Überreicht wird er am 3. November, dem japanischen Tag der Kultur, im Kaiserpalast in Tokio. Unter den neuen „Personen mit besonderen kulturellen Verdiensten“, einer Ehrung eine Stufe darunter, ist der 93-jährige Jazzsaxofonist Sadao Watanabe.
Diese zweite Ehrung hatte Miyamoto schon 2019 bekommen, auch damals als Erster aus der Spielebranche. Popkultur taucht bei den Auszeichnungen inzwischen öfter auf: Im vergangenen Jahr erhielt Baseball-Legende Sadaharu Oh den Kulturorden, und mit Masako Nozawa wurde zum ersten Mal eine Synchronsprecherin für ihre kulturellen Verdienste geehrt.
Mehr zum Thema: Der Zeichner von „Ashita no Joe“: Tetsuya Chiba ist tot

