In Tokio muss sich Digitalminister Toshiharu Furukawa seit gut zwei Wochen Spott und Wut im Netz anhören. Japan erlebt gerade eine Welle von Hackerangriffen, und Furukawa bat die Menschen am 6. Oktober, ihre Daten selbst zu schützen. Viele finden: Die Schuld liegt bei den Firmen, nicht bei uns.
Was der Minister gesagt hat
Auf einer Pressekonferenz riet Furukawa, für jeden Dienst ein eigenes Passwort zu nutzen, die Anmeldung mit mehreren Faktoren einzuschalten und keine Links in verdächtigen Mails anzuklicken. Alle sollten mit dem Gedanken „Ich schütze meine Daten selbst“ mithelfen, Schäden zu verhindern. Die Nachrichtenagentur Jiji machte daraus diese Schlagzeile:
Übersetzung: „‚Schützt eure Daten selbst‘. Digitalminister Furukawa angesichts gehäufter unbefugter Zugriffe.“
Wut im Netz
Viele lasen den Satz als Frechheit. Ihre Daten waren ja bei Firmen abhandengekommen, denen sie sie anvertraut hatten. Hinzu kommt, dass Furukawas eigene Digitalagentur im September selbst ein Leck hatte, mit bis zu 246.000 Datensätzen, vor allem von Beamten.
Übersetzung: „Wenn ihr nichts schützen könnt, ist das Verschwendung von Steuergeld. Schafft die Digitalagentur ab, schafft die My-Number-Karte ab, löst das Nationale Nachrichtenamt auf. Wie sonst sollen wir uns selbst schützen?“
Andere nahmen den Minister in Schutz. Sie fanden, Jiji habe den Satz zugespitzt, und verwiesen auf den Wortlaut der Pressekonferenz.
Übersetzung: „Digitalminister: ‚Schützt eure Daten selbst‘. Hä??? Das dachte ich erst. Dann merkte ich, dass es von Jiji kommt, und habe die Originalquelle gesucht. Und tatsächlich, mal wieder Jiji. Kern der Aussage: ‚Cyberangriffe sind nicht nur eine Frage der Gegenmaßnahmen auf Seiten der Unternehmen. Auch Maßnahmen jedes Einzelnen sind wirksam, darum bitte ich darum.‘ Jiji, echt jetzt.“
Die größten Lecks der letzten Wochen
- Sagawa: Beim Paketdienst könnten bis zu 53,23 Millionen Datensätze mit Namen, Adressen und Telefonnummern abgeflossen sein. Manche Einträge kommen doppelt vor.
- Yakiniku King: Die Grillrestaurantkette meldete 10,78 Millionen Datensätze aus ihrer App.
- Times Car: Beim Carsharinganbieter sind bis zu rund 6,6 Millionen Datensätze betroffen, darunter Führerscheinfotos von rund 1,46 Millionen Kunden. Sie bekommen je 3.000 Yen (rund 17 Euro). Laut der Zeitung Mainichi bereiten Betroffene eine Sammelklage vor.
- Capcom: Beim Spielehersteller waren 11,8 Millionen Spielerkonten betroffen.
Die Sicherheitsfirma MacNica kommt laut dem Magazin Josei Jishin insgesamt auf über 165 Millionen möglicherweise Betroffene, viele davon mehrfach gezählt.
Bei GMO verschwindet echtes Geld
Am härtesten trifft es Kunden des Internetkonzerns GMO. Dort lassen viele auf gemieteten Servern Programme laufen, die automatisch mit Devisen handeln. Angreifer installierten auf solchen Servern Schadsoftware, danach liefen auf Kundenkonten Geschäfte, die niemand in Auftrag gegeben hatte. Ein 44-Jähriger aus der Präfektur Kanagawa sagte dem Sender ABEMA, er habe so mehr als 6 Millionen Yen verloren (rund 34.000 Euro).
Jemand, der vermutlich hinter dem Angriff steckt, verlangt Geld von GMO. GMO will nicht zahlen. Jeder Nutzer bekommt 5.000 Yen (rund 28 Euro), Verluste aus den fremden Geschäften will der Konzern ersetzen. Außerdem bittet GMO die Regierung, zum ersten Mal das neue Gesetz zur aktiven Cyberabwehr anzuwenden.

