Prinz Hisahito ist 20 Jahre alt und der einzige junge Mann, der Japans Thron einmal erben kann. Überhaupt gehen der Kaiserfamilie die Mitglieder aus. Eine Reform, über die jahrelang gestritten wurde, soll das ändern. Sie gilt seit dem 24. Oktober 2026. Was der Kaiser eigentlich macht, warum seine Familie schrumpft und was sich jetzt ändert.
Ein Kaiser ohne Macht
Seit dem 1. Mai 2019 ist Naruhito Kaiser. Sein Vater Akihito hatte am Tag zuvor abgedankt. Politische Macht hat der Kaiser nicht. Laut Verfassung ist er „Symbol des Staates und der Einheit des Volkes“. Er ernennt zwar den Premierminister, aber nur den, den das Parlament bestimmt hat. Er eröffnet das Parlament, empfängt Staatsgäste und reist durchs Land, etwa nach Katastrophen zu den Betroffenen. Zu politischen Fragen äußert er sich nicht.
Nur Männer, nur über die Väter
Wer Kaiser werden kann, regelt das Kaiserhausgesetz von 1947: nur Männer, die über ihre Väter vom Kaiser abstammen. Die Tochter des Kaisers, Prinzessin Aiko, ist deshalb von der Thronfolge ausgeschlossen. Nachfolger sind der Bruder des Kaisers, Kronprinz Fumihito, dann dessen Sohn Hisahito und schließlich Prinz Masahito, der Onkel des Kaisers, der 90 Jahre alt ist.
Dazu kommt eine zweite Regel: Heiratet eine Prinzessin einen Bürgerlichen, muss sie das Kaiserhaus verlassen. So schrumpfte die Familie immer weiter. Im September 2025 zählte sie nur noch 16 Menschen, fünf von ihnen unverheiratete Prinzessinnen. Ohne Änderung wären irgendwann kaum noch Mitglieder übrig, die die vielen Termine wahrnehmen können.
Was die Reform ändert
Am 17. Juli 2026 beschloss das Parlament die erste große Änderung des Gesetzes seit 1947. Prinzessinnen dürfen nun nach der Heirat im Kaiserhaus bleiben. Ihre Ehemänner und Kinder bleiben aber Bürgerliche. Prinzessinnen, die schon jetzt zur Familie gehören, können wählen, ob sie bleiben wollen.
Außerdem darf die Kaiserfamilie Männer adoptieren, die über ihre Väter von elf Seitenlinien abstammen. Diese mussten 1947 auf Druck der amerikanischen Besatzung das Kaiserhaus verlassen. Die Adoptierten müssen mindestens 15 Jahre alt, ledig und kinderlos sein. Kaiser werden können sie selbst nicht, wohl aber ihre Söhne. Wie die Adoptionen ablaufen sollen, müssen das Hofamt und die Regierung noch ausarbeiten.
Streit um eine Kaiserin
Eine Frau auf dem Thron bleibt damit ausgeschlossen. Die Reform entspricht dem Kurs von Premierministerin Sanae Takaichi. Sie will, dass der Thron weiter nur über die Väter vererbt wird, und beruft sich auf die Tradition: Diese Regel gelte seit jeher ohne Ausnahme. Im Oberhaus stimmten neben Takaichis Liberaldemokraten (LDP) und ihrem Koalitionspartner Ishin auch die Demokratische Volkspartei, Kōmeitō, Sanseitō und andere dafür. Dagegen waren die Konstitutionell-Demokratische Partei (CDP), die Kommunisten, Reiwa Shinsengumi und die Sozialdemokraten. Sie kritisierten, das Gesetz gehe über das hinaus, worauf sich die Parteien geeinigt hatten, und sei im Eiltempo durchgebracht worden. Die Adoptionen lehnten sie ab.
Die Bevölkerung sieht das anders als die Regierung. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Kyodo im Juli 2026 waren 81 Prozent dafür, dass auch eine Frau Kaiserin werden kann. Dass Prinzessinnen nach der Heirat bleiben dürfen, fanden 75 Prozent richtig. Bei den Adoptionen war die Zustimmung mit 51 Prozent deutlich geringer.

