StartEntertainmentAnime & MangaDer Zeichner von „Ashita no Joe“: Tetsuya Chiba ist tot

Der Zeichner von „Ashita no Joe“: Tetsuya Chiba ist tot

Tetsuya Chiba, der Zeichner des Boxmangas „Ashita no Joe“, ist tot. Er starb am 22. Oktober in einem Krankenhaus in Tokio, er wurde 87 Jahre alt. Die Ursache war laut NHK ein myelodysplastisches Syndrom, eine Erkrankung des Knochenmarks. Sein Verlag Kodansha machte den Tod erst am Dienstag öffentlich. Die Trauerfeier hatte bereits im engsten Familienkreis stattgefunden.

NHK nennt „Ashita no Joe“ einen Meilenstein der japanischen Manga-Geschichte nach dem Krieg. 2024 erhielt Chiba als erster Manga-Zeichner überhaupt den staatlichen Kulturorden. Kodansha plant eine Gedenkfeier, einen Termin gibt es noch nicht.

Ein Kind auf der Flucht

Chiba kam am 11. Januar 1939 in Tokio zur Welt. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie auf die koreanische Halbinsel. Mit zwei Jahren kam er nach Mukden in der Mandschurei, dem heutigen Shenyang im Nordosten Chinas. Dort erlebte er mit sechs Jahren das Kriegsende.

Für die Zeit danach beschreibt die Nachrichtenagentur Jiji Press Gewalt und Plünderungen. Die Familie schlug sich durch und kam 1946 zurück nach Japan. Ungefähr da begann der Junge, sich für Manga zu interessieren. Die Erinnerungen an die Flucht ließen ihn nie los. Bis zuletzt erzählte er öffentlich vom Krieg, auch in seinem Blog. Eine Jiji-Reportage über ihn zitiert seinen Wunsch, die Nachkriegszeit möge ewig dauern. Gemeint ist, dass es nie wieder Krieg geben soll.

Ein Held, der immer wieder aufsteht

Mit 17 Jahren gab Chiba 1956 sein Debüt als Manga-Zeichner. Im Dezember 1967 erschien im „Weekly Shōnen Magazine“ die erste Folge von „Ashita no Joe“ (etwa: „Joe von morgen“). Darin arbeitet sich der junge Boxer Joe Yabuki gegen Rivalen wie Tōru Rikiishi bis zum Kampf um die Weltmeisterschaft hoch. Joe und Rikiishi hatten glühende Fans. Die Nachrichtenagentur Kyodo spricht von einem gesellschaftlichen Phänomen.

Ein Nachruf zieht eine direkte Linie von seiner Kindheit zu seinem Werk. Der Junge, der Krieg und Armut kannte, habe sein Leben lang Menschen gezeichnet, die nach Niederlagen wieder aufstehen. Später folgten Schul- und Sportgeschichten wie „Ore wa Teppei“ und „Ashita Tenki ni Nāre“.

Vom Heftchen zum Kulturgut

Chiba gab sein Können weiter. Von 2005 bis 2022 lehrte er an der Bunsei-Kunsthochschule in Utsunomiya, eine Zeit lang auch als deren Präsident. Den Verband der japanischen Manga-Zeichner führte er von 2012 bis 2018 als Vorstandsvorsitzender, danach als Präsident. Der Verband würdigt seinen „großen Beitrag“ für die gesamte Manga-Welt. Kodansha verweist auf den Nachwuchspreis, der seinen Namen trägt. Seit 46 Jahren hilft der Preis jungen Zeichnern in den Beruf. Chiba habe „grenzenlose Liebe und Vertrauen“ in den Manga gehabt, schreibt die Redaktion. Sein Beitrag sei „durch niemanden zu ersetzen“.

Auch der Staat behandelt sein Werk inzwischen als Kulturgut. Im April dieses Jahres übernahm die Kulturbehörde mehr als 70.000 Stücke aus seinem Besitz, darunter Originalzeichnungen. Sie sind die ersten Bestände für ein geplantes nationales Zentrum für Medienkunst.

Gezeichnet hat Chiba fast bis zum Schluss. Seit Dezember 2015 erschien seine Reihe „Hinemosu Notari Nikki“. Im September kündigte er eine Pause an. Seinen Blog schrieb er noch bis August.

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Quellen

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