Im Tokioter Vergnügungsviertel Kabukichō streitet die Musikszene über ein einziges Konzert. Der Club Shinjuku Marble hat am 22. Oktober seinen Saal für eine Veranstaltung vermietet, die laut Parteichef Sōhei Kamiya nur für Mitglieder der rechtspopulistischen Partei Sanseitō offen war. Die Partei wirbt mit „Japaner zuerst“, Kritiker werfen ihr Ausländerfeindlichkeit vor. Mehr dazu in unserem Artikel „Rechtsruck: Warum er in Japan regiert und in Deutschland nicht“.
Der Post, der alles auslöste
Bekannt wurde das Konzert durch Kamiya selbst. Gespielt hatte Yoshiki Takagi, Sänger der Band The Mass Missile.
Übersetzung (Auszug): „Heute hat Takagi von The Mass Missile bei einer Veranstaltung nur für Mitglieder von Sanseitō ein Konzert für uns gespielt. Gesungen hat er nur Themensongs von Sanseitō. Alle kannten die Lieder, die Stimmung war super!“
Kritik und Entschuldigung
Am nächsten Tag kam die Kritik aus der Musikszene, etwa von der Musikerin Haru Nemuri.
Übersetzung: „Shinjuku Marble … In den Club kommen viele Gäste mit ausländischem Pass und Menschen aus Minderheiten. Dass er an der Veranstaltung einer Partei verdient, die einen gesellschaftlichen Trend verstärkt, der genau diesen Menschen das Leben schwerer macht, ist echt hart …“
Am Abend entschuldigte sich der Club. Er habe vermietet, ohne genau zu prüfen, wer veranstaltet und was das bedeutet. Das Geld will er nicht annehmen, künftig vermietet er nicht mehr an Parteien. Der Post wurde rund 1,6 Millionen Mal angesehen. Darunter raten manche, das Geld doch zu nehmen, sonst sei der Abend eine Spende an die Partei. Takagi wirft den Kritikern vor, „Diskriminierung“ und „Einwanderungsfrage“ durcheinanderzuwerfen.
Kamiya: „Ist das nicht Diskriminierung?“
Übersetzung (Auszug): „Der Club hat nicht an Sanseitō vermietet, sondern nur an den Musiker Takagi. Dürfen Parteien und Politiker keine Säle, Studios oder Restaurants mieten? Geht das nicht, weil es Sanseitō ist? Ist genau das nicht Diskriminierung und eine Verletzung unserer Rechte? Ich werde einen neuen Ort suchen und auf jeden Fall ein noch größeres Konzert machen.“

