StartPolitik & WirtschaftAbendessen statt G7? Takaichi unter Druck

Abendessen statt G7? Takaichi unter Druck

In Tokio muss sich Premierministerin Sanae Takaichi seit Tagen für eine verpasste Videokonferenz der G7 rechtfertigen. Am Abend der Konferenz saß sie mit Parteifreunden beim Essen. Jetzt fordert der bekannte Schriftsteller Keiichirō Hirano ihren Rücktritt, falls sie die Zweifel nicht ausräumen kann.

Was am 2. Oktober passiert ist

Frankreich hat derzeit den Vorsitz der G7 und lud für den 2. Oktober um 21:30 Uhr japanischer Zeit zu einer Online-Konferenz der Staats- und Regierungschefs. Es ging um die weltweite Energielage, etwa die hohen Dieselpreise in den USA und Europa. US-Präsident Donald Trump war dabei, Takaichi nicht. Für Japan saß Kazuya Endō vor dem Bildschirm, ein hoher Diplomat des Außenministeriums. Er verlas eine Erklärung der Premierministerin.

Ihre Vorgänger Fumio Kishida und Shigeru Ishiba hatten laut Außenministerium an allen bisherigen Online-Gipfeln der G7 seit 2023 selbst teilgenommen.

Takaichis Erklärung

Im Haushaltsausschuss des Oberhauses sagte Takaichi am 16. Oktober, die Uhrzeit habe erst kurz vorher festgestanden. Für eine Online-Konferenz brauche man einen großen Bildschirm und eine eigene Leitung, beides organisieren externe Firmen. Das sei so schnell nicht gegangen. Weil das Thema vor allem die USA und Europa betraf, habe man ihr angeboten, einen Vertreter zu schicken. Sie selbst habe in der Zeit an ihrer Regierungserklärung geschrieben.

Im Ausschuss räumte sie auch das Abendessen ein. Bis etwa 20:00 Uhr, also rund anderthalb Stunden vor Beginn der Konferenz, aß sie in ihrer Amtsresidenz mit der Spitze der Regierungspartei LDP, darunter Vizepräsident Tarō Asō. Mit ihrer Teilnahme an der Konferenz habe das nichts zu tun, sagte Takaichi.

Die Zweifel

Die Oppositionsabgeordnete Kiyomi Tsujimoto glaubt die Erklärung nicht. Laut dem Magazin Smart FLASH verweist sie darauf, dass die Agentur Reuters die Konferenz schon um 17:59 Uhr gemeldet hatte, dreieinhalb Stunden vor Beginn. Wann Frankreich Japan eingeladen hat, will das Außenministerium nicht sagen.

Am 21. Oktober meldete sich Hirano auf X zu Wort. Der Träger des Akutagawa-Preises, eines der angesehensten Literaturpreise Japans, schrieb: „Es heißt auch, die Nachricht sei schon am Morgen gekommen. Wenn sie den Verdacht nicht ausräumen kann, dass sie getrunken und deshalb gefehlt hat, sollte sie zurücktreten.“ Belege dafür, dass Alkohol eine Rolle spielte, gibt es nicht.

Tsujimoto will nun Außenminister Toshimitsu Motegi im Ausschuss zu dem Fall befragen.

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Quellen

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