In Tokio ist am Dienstagmittag ein Ultimatum abgelaufen, und die Hacker haben ernst gemacht. Eine Million US-Dollar, umgerechnet rund 850.000 Euro, hatten sie vom Internetkonzern GMO verlangt. Um 12:30 Uhr japanischer Zeit bestätigte GMO, dass auf einer Seite der Täter die ersten Daten aufgetaucht sind. Laut der Zeitung Sankei Shimbun stehen dort Name, Adresse und private Angaben eines Kunden. Ob die Daten echt sind, ist noch unklar.
Zahlen will GMO trotzdem nicht. Stattdessen dreht der Konzern den Spieß um und setzt genau die Summe, die die Erpresser fordern, als Belohnung für Hinweise auf die Täter aus.
Daten in Raten
Angefangen hatte alles mit einem Einbruch in den Dienst „Onamae.com Desktop Cloud“, bei dem Anleger Rechner für den automatischen Devisenhandel mieten. Die Hacker handelten dort in fremdem Namen und verursachten bei Anlegern hohe Verluste, wie wir am Montag berichtet haben. Zunächst verlangten sie laut GMO-Chef Masatoshi Kumagai 50 Millionen Dollar (rund 43 Millionen Euro). Später senkten sie die Forderung auf eine Million. Sonst wollten sie am Dienstag um 12 Uhr Kundendaten veröffentlichen und mit Erpressersoftware angreifen.
GMO riet seinen Kunden am Morgen, ihre Daten zu sichern, die Rechner auszuschalten und auch die Stecker zu ziehen. Den angedrohten Angriff mit Erpressersoftware hatte das Unternehmen bis zum frühen Nachmittag nicht festgestellt. Stattdessen erschien ein Bekennerschreiben. Laut TV Asahi schreiben die Täter darin, die Datenmenge sei riesig und werde nach und nach ausgewertet. Jeden Tag um 12 Uhr wollen sie weitere Daten veröffentlichen. Bis alles draußen sei, dauere es Jahre. Zahle GMO, höre man „sofort und für immer“ auf.
Eine Million Dollar für Hinweise
GMO will auf die Forderungen „niemals“ eingehen, berichtet das Fachportal Impress Watch. Eine Zahlung garantiere nicht, dass die Daten gelöscht werden. Außerdem finanziere sie weitere Angriffe. Stattdessen öffnet am Mittwoch um 12 Uhr japanischer Zeit (4 Uhr deutscher Zeit) eine Meldestelle für Hinweise aus dem In- und Ausland.
Gesucht sind Hinweise, die zu Tätern, Mittätern und Auftraggebern führen. Auch Belege zu Servern, Internetadressen oder Kryptowährungskonten der Täter zählen. Insgesamt zahlt GMO höchstens eine Million Dollar, und zwar an alle Hinweisgeber zusammen, nicht an jeden Einzelnen. Vermutungen und Inhalte, die ohnehin im Netz stehen, werden nicht belohnt. Beteiligte gehen leer aus. GMO warnt davor, auf eigene Faust zu ermitteln oder Kontakt zu den Tätern aufzunehmen. Die Belohnung gilt, bis die Täter gefasst sind. Die Sportzeitung Sponichi nennt das Vorgehen ungewöhnlich.
Sonderzahlung für Opfer, Klagen gegen Verbreiter
Allen Kunden hat GMO bereits pauschal 5.000 Yen (rund 28 Euro) zugesagt. Wessen Daten veröffentlicht werden, bekommt noch etwas dazu. Für Name und Kontaktdaten gibt es 10.000 Yen (rund 57 Euro), für Zugangsdaten zum Handelskonto 15.000 Yen (rund 85 Euro) und für besonders private Angaben 25.000 Yen (rund 142 Euro). Tauchen mehrere Arten von Daten auf, werden die Beträge addiert. Pro Veröffentlichung zahlt GMO höchstens 3 Millionen Yen (rund 17.000 Euro). Wer durch Erpressersoftware seinen Rechner verliert, bekommt laut dem Nachrichtenportal J-Cast einen neuen.
Gleichzeitig warnt GMO eindringlich davor, die Seite der Täter aufzurufen. Sie speichere Daten der Besucher. Wer schon dort war, soll seinen Rechner vollständig auf Viren prüfen lassen. Auch wer die Daten teilt oder verlinkt, riskiert Ärger. In besonders dreisten Fällen will GMO gerichtlich herausfinden lassen, wer hinter den Konten steckt, und Strafanzeige stellen.
Auch die Regierung hat sich eingeschaltet. Regierungssprecher Minoru Kihara nannte die Veröffentlichung niederträchtig und „unter keinen Umständen hinnehmbar“. Er nehme den Fall äußerst ernst, weil das Vermögen von Bürgern in Gefahr sei. Wer solche Daten im Netz sehe, solle sie nicht weiterverbreiten.
GMO ist nur der jüngste Fall einer ganzen Serie. Seit Wochen melden in Japan Firmen und Behörden Hackerangriffe. Bei der Polizei könnten Daten aus 22 Präfekturen abgeflossen sein, beim Spielehersteller Capcom traf es die Konten von 11,8 Millionen Spielern. Der Digitalminister erntete Kritik, als er die Bürger aufforderte, ihre Daten doch selbst zu schützen.
Ein Ende ist nicht in Sicht. Die Täter haben die nächsten Daten für Mittwoch um 12 Uhr angekündigt. Zur selben Stunde öffnet GMO die Meldestelle für Hinweise.

